Was ist Debian GNU/Linux?

Debian ist ein freies, oder auch „Open Source“ genanntes Betriebssystem (OS - Operating System) für Ihren Rechner.

Im Gegensatz zu anderen Linux-Distributionen wird Debian GNU/Linux, ähnlich wie der eigentliche Linux-Kernel, von einer großen Gruppe von Freiwilligen auf der ganzen Welt zusammengestellt. Für die Kommunikation der Entwickler untereinander und die Verteilung der Pakete dient das Internet. Für jedes der über 4000 Debian GNU/Linux-Pakete gibt es einen sogenannten „Maintainer“, der dieses Paket betreut. Viele der Maintainer betreuen auch mehrere Pakete.

Die Debian-Entwickler haben ihren hohen Anspruch an die freie Verbreitung von Debian im Debian Social Contract festgeschrieben. Sie finden die deutsche Übersetzung im Anhang.

Der Name „Debian“

Der Name „Debian“ stammt vom Schöpfer der Distribution, Ian Murdock, der den Namen aus dem Namen seiner Frau, Debra, und seinem Vornamen bildete. Die offizielle Aussprache für den Namen ist: „deb ee n“.

Die Geschichte von Debian

Debian 0.01 bis 0.90

(August-Dezember 1993): Das Debian Projekt wurde offiziell von Ian Murdock am 16. August 1993 gegründet. Ian Murdock began diese neue Distribution als offenes Entwicklungsprojekt, ganz im Sinne des GNU- oder auch des Linux-Kernel Projektes. Dieses Ziel erfüllte zu dieser Zeit keine andere Distribution. Das Debian Projekt wurde vom November 1994 an für ein Jahr vo GNU Projekt der FSF (Free Software Foundation) für 12 Monate gesponsort.

Debian 0.91

(Januar 1994): diese Version hatte ein einfaches Paketsystem, mit dem Pakete installiert und gelöscht werden konnten. Ein paar Dutzend Entwickler arbeiteten zu dieser Zeit an Debian.

Debian 0.93R5

(März 1995): Zu dieser Zeit waren für jedes Paket ein oder mehrere Entwickler zuständig. Das Paketmanagement wurde über dpkg abgewickelt, welches nach der Basisinstallation eingesetzt wird.

Im August 1995 startete Hartmut Koptein die erste Portierung von Debian GNU/Linux auf eine Nicht-Intel Plattform. Hartmut schreib zu seinen ersten Versuchen mit der m68k Architektur: „Many, many packages were i386-centric (little endian, -m486, -O6 and all for libc4) and it was a hard time to get a starting base of packages on my machine (an Atari Medusa 68040, 32 MHz). After three months (in November 1995), I uploaded 200 packages from 250 available packages, all for libc5!“

Später startete er, zusammen mit Vincent Renardias und Martin Schulze, eine weitere Protierung, diesmal auf die PowerPC Platform.

Debian 0.93R6

(November 1995): dselect wurde eingeführt. Dies war die letzte Debian-Version, die noch auf dem Binärformat a.out basierte. Circa 60 Entwickler arbeiten an Debian GNU/Linux.

Debian 1.1

Buzz (Juni 1996): Die erste Version mit einem sogenannten Codenamen. Wie alle späteren stammt auch dieser Codename aus dem Film „Toy Story“. Diese Idee wurde von Bruce Perens, der zu dieser Zeit der „Project Leader“ war, eingeführt. Diese Version benutzte ausschließlich das neue ELF-Format sowie die Kernel Version 2.0 und umfaßte 474 Pakete.

Ian kommentierte den neuen Project Leader wie folgt: „Bruce was the natural choice to succeed me, as he had been maintaining the base system for nearly a year, and he had been picking up the slack as the amount of time I could devote to Debian declined rapidly.“

Bruce initiierte viele wichtige Projekte innerhalb des Debian Projektes, hierzu gehören die Debian Free Software Guidelines, der Debian Social Contract, das Open Hardware Project. Weiterhin war Bruce massgeblich an der Bildung von SPI (Software in the Public Interest, Inc.) beteiligt.

Debian 1.2

Rex (Dezember 1996): 848 Pakete, 120 Entwickler.

Debian 1.3

Bo (Juli 1997): 974 Pakete, 200 Entwickler.

Debian 2.0

Hamm (Juli 1998): Die erste Debian-Version, die neben der i386-Architektur auch die m68k-Rechnerfamilie, also Amiga, Atari und Macintosh Computer, unterstützte. Diese Version, mit Ian Jackson als Project Leader, basierte bereits auf der glibc2 (oder aus historischer Sicht: libc6), hatte über 1500 Pakete, und circa 400 Entwickler stellten die Pakete zusammen.

Wichert Akkerman lösste Ian Jackson als Project Leader im Januar 1999 ab.

Debian 2.1

Slink (09 März 1999): Ab dieser Version wurden zusätzlich die Architekturen Alpha und Sparc unterstützt. Project Leader war Wichert Akkerman, 2250 Pakete gehörten zu dieser Version, die auf 2 offiziellen CDs ausgeliefert wurde. Weiterhin gehörte ab dieser Version apt - als neues Programm zur Paketverwaltung - zum Umfang.

Aufgrund einiger unerwarteter Fehler, die in der letzten Minute entdeckt wurden, ist das Erscheinen von Debian 2.1 um eine Woche verschoben worden. Ursprünglich war der 02.03.1999 als Termin ins Auge gefasst worden. Der entscheidende Fehler war, daß dpkg, der Packetmanager, nur funktioniert, wenn die Ortsangabe „locale“" auf der Standardeinstellung ist.

Es war den Entwicklern wichtiger, den Ruf der absolute Fehlerfreiheit von Debian zu retten als den Termin einzuhalten.

Am 21. April 1999 bildeten die Firma Corel, das K Desktop Projekt (KDE) und das Debian Projekt eine Allianz nachdem Corel verkündete eine eigene Linux Distribution auf Debian-Basis herauszubringen. Im Laufe des Sommers erschien mit Storm Linux (www.stormix.com) eine weitere, auf Debian basierende Linux-Distribution. Zur gleichen Zeit gab sich das Debian Projekt auch ein neues Logo, diesmal in doppelter Ausfertigung. Ein offizielles Logo für die Webseiten und alle von Debian erstellten Materialien und ein unoffizielles Logo für Materialien von anderen Herstellern.

Debian 2.2

Potato (15. August 2000): Apt ist hier zentraler Bestandteil. Die Anzahl der Pakete wurde gegenüber der Version 2.1 fast verdoppelt. Integration von GNOME, glibc 2.1, Kernel 2.2.13/14, XFree 3.3.6

Mit dieser Version wurden auch die Architekturen PowerPC und Arm freigegeben.

Diese Version ist Joel Klecker gewidmet, einem Debian-Entwickler, der unerwartet im Alter von 21 Jahren starb ( http://www.debian.org/News/2000/20000815).

Die Release 1 (Debian GNU/Linux 2.2 R1) wurde am 14.11.2000 freigegeben, die Release 2 folgte am 05.12.2000. Die letzte Version, Release 3 folgte am 17.04.2001.

Am 29. März 2001 wurde Ben Collins zum neuen Debian Project Leader (DPL) gewählt.

Debian 2.3

Woody Der Codename für die nächste Version wurde mit dem Codefreeze von Potato am 15.01.2000 festgelegt, die Entwicklung hat begonnen.

Codenamen

Wie schon kurz beschrieben stammen die Codenamen der Debian Distribution aus dem Film „Toy Story“ der Firma Pixar. Folgende Figuren wurden bisher benutzt:

buzz

Buzz Lightyear der Astronaut

rex

der Dinosaurier

bo

Bo Peep das Mädchen welches das Schaf behütet

hamm

das Schweinchen

slink

Slinky Dog der Spielzeug Hund

potato

Mr. Potato die Kartoffel

woody

der Cowboy

Weiterhin wird noch der Name sid verwendet, dies ist der Junge von nebenan der Spielzeug zerstört...

Debian für alle!

Debian GNU/Linux stellt in doppelter Hinsicht ein Betriebssystem für alle dar.

Die vollkommen freie Verfügbarkeit des Systems macht es auch für den kleinsten Geldbeutel möglich, an ein umfangreiches System mit vielen hundert Programmen zu kommen. CD-ROMs sind schon für wenige Euro erhältlich. Die Preise für Debian GNU/Linux-CDs liegen meist unter denen anderer Distributionen. Dies liegt nicht daran, daß Debian GNU/Linux minderwertiger ist. Hinter Debian steht keine Firma, die Geld verdienen muß, um zu existieren. Das Kopieren der CDs von Freunden oder Bekannten ist möglich und sogar erwünscht! Die Lizenz erlaubt die Installation von Debian GNU/Linux auf beliebig vielen Computern.

Ein weiterer Punkt ist die Verfügbarkeit von Debian GNU/Linux für die unterschiedlichsten Hardware-Architekturen. Somit läßt sich Debian GNU/Linux auf (fast) jedem vorhandenen Computer installieren. Die Palette reicht hierbei von normalen, i386 basierten (Intel, AMD, Cyrix usw.) Maschinen, über PowerPC (Apple PowerMac, IBM RS/6000...), Sun Sparc und UltraSparc, DEC Alpha bis hinunter zu älteren, auf dem Motorola 68000er-Prozessor basierenden Systemen wie Amiga, Atari oder ältere Apple-Rechnern, mit mindestens einer Motorola 68020 CPU und einer MMU (Memory Management Unit), zum Beispiel Amiga 3000/4000, Macintosh SE/30 usw.

Momentan ist Debian GNU/Linux auf folgenden Architekturen verfügbar, bzw. wird auf diese portiert:

Intel x86 („i386“)

Die erste Architektur für die Debian GNU/Linux verfügbar war.

IA-64 („ia64“, http://www.debian.org/ports/ia64/)

Die Intel 64 Bit Architektur, eine relativ neue Portierung.

DEC Alpha („alpha“, http://www.debian.org/ports/alpha/)

Der erste Release erfolgte mit Debian 2.1. Eine der länger bestehenden Portierungen, und ziemlich stabil.

ARM („arm“, http://www.debian.org/ports/arm/)

Wurde mit „potato“ freigegeben. Eine neue Portierung, motiviert durch Corels interessante NetWinder Maschine.

Motorola m68k („m68k“, http://www.debian.org/ports/m68k/)

Erster Release mit der Debian Version 2.0. Der am meisten etablierte Port nach dem Intel x86. Der Debian m68k Port läuft auf einer großen Bandbreite von Computern, die auf der Motorola 68k Prozessorfamilie basieren - im besonderen die Sun3 Workstationfamilie, die Apple Macintosh Personal-Computer, und die Atari und Amiga Personal-Computer.

MIPS („mips“, http://www.debian.org/ports/mips/)

Relative neue Portierung, die in SGI Computern (debian-mips - big-endian) und Digital DecStations (debian-mipsel - little-endian) verwendet wird.

HP PA-RISC („hppa“, http://www.debian.org/ports/hppa/)

Eine Portierung von Debian GNU/Linux auf die PA-RISC wurde gerade begonnen.

Motorola/IBM PowerPC („powerpc“, http://www.debian.org/ports/powerpc/)

Debian/PowerPC wurde mit Debian 2.2 („potato“) das erste Mal offiziell veröffentlicht. Die Portierung läuft auf vielen der Apple Macintosh PowerMac Modellen, den CHRP- und PReP-Rechnern sowie beispielsweise auf einigen IBM RS/6000 Maschinen.

Sun SPARC („sparc“, http://www.debian.org/ports/sparc/)

Zum ersten Mal mit Debian 2.1 veröffentlicht. Diese Portierung läuft sowohl auf der SPARCstation Familie von Workstations, als auch auf einem Teil ihrer Nachfolger in der Sun4 Architektur.

Sun UltraSPARC („sparc64“, http://www.debian.org/ports/sparc64/)

Dies ist auch der Beginn einer Portierung auf die Sun UltraSPARC (sun4u) Workstation-Familie. Dieser 64bit Prozessor hat den Vorteil der Rückwärts-Kompatibilität mit seinem Vorgänger, so daß die UltraSPARC Portierung in der Lage sein wird, Sparc Binärfiles auszuführen.

S/390 („s390“, http://www.debian.org/ports/s390/)

Ein Port von Debian GNU/Linux auf die S/390-Architektur (IBM Großrechner) wird gerade begonnen.

Weitere Portierungen des Debian GNU Systems, die nicht die Hardware betreffen sondern statt dem Linux Kernel einen alternativen Kernel benutzen, sind:

Debian GNU/Hurd („hurd-i386“, http://www.debian.org/ports/hurd/)

GNU Hurd ist eine völlig neues Betriebssystem, das von der GNU Gruppe aufgebaut wird. In der Tat ist GNU Hurd die letzte Komponente, die es möglich macht, ein komplettes GNU Betriebssystem aufzubauen - und Debian GNU/Hurd wird ein solches (vielleicht sogar das Erste) GNU Betriebssystem sein. Das gegenwärtige Projekt ist auf der i386 Architektur aufgebaut.

Debian GNU/MiNT, (http://debian-mint.nocrew.org/)

Dies ist eine experimentelle Portierung von Debian auf Basis des MiNT-Kernels, ein Unix-artiger Kernel für Atari m68k Computer.

Debian Beowulf, (http://www.debian.org/ports/beowulf/)

Obwohl nicht wirklich eine Portierung, so wird Beowulf doch ein Ersatz für viele Großrechner in Forschung und Entwicklung sein. Dieses Projekt arbeitet daran, Beowulf-Cluster unter Debian laufen zu lassen.

Die Installation unterscheidet sich auf den verschiedenen Architekturen nur in der Aufteilung der Festplatte sowie im ersten Starten des Linux Kernels. Sobald das Debian GNU/Linux-Installationsprogramm gestartet ist, gestaltet sich die weitere Installation auf allen Architekturen gleich. In diesem Buch werden die notwendigen Schritte für einige Architekturen beschrieben.

Natürlich gibt es, durch die unterschiedliche Hardware der verschiedenen Architekturen, einige Details zu beachten, aber dies ist auch bei unterschiedlichen i386-basierten Systemen der Fall. Beispielsweise trifft man bei der i386er-Familie auf diverse verschiedene Typen von Mäusen. Verbreitet sind hier Geräte mit seriellen und mit PS/2-Anschlüssen. Auf Apple Macintosh (m68k und powerpc) wird die Maus über den sogenannten ADB-Anschluß versorgt, die entsprechende Gerätedatei hierzu ist /dev/adbmouse.

Man sollte sich also keinesfalls von der Lektüre dieses Buches oder der Installation von Debian GNU/Linux abhalten lassen, auch wenn man keinen i386-basierten Computer sein eigen nennt...

Debian GNU/Linux wird aber auch den verschiedenen Ansprüchen an freie Software gerecht. Wenn Sie ein System mit 100% freier Software aufsetzen wollen, so wird Sie Debian GNU/Linux dabei unterstützen. Alle Programme im Bereich main sind von den Maintainern (Betreuern) der Pakete geprüft und entsprechend der Lizenz in diesen Bereich aufgenommen worden. Pakete in diesem Bereich unterliegen beispielsweise keinerlei Einschränkungen in der Nutzung oder in der Verteilung. Sie können diese zur Entwicklung von Gentechnik verwenden und diese Software in jedes Land der Welt exportieren oder von dort importieren. Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob man Gentechnik unterstützen will oder nicht, die Lizenz zur Software läßt Ihnen aber jeden Weg frei...

Kommerzielle Versionen

Debian GNU/Linux wird als Basis von einigen kommerziellen Distributionen eingesetzt. Die Hersteller ergänzen Debian an einigen Punkten wie zum Beispiel bei der Installation und legen ein gedrucktes Handbuch bei. Support vom Hersteller via Telefon oder E-Mail wird teilweise ebenfalls geboten.

Dem Open Source Gedanken entsprechend stellen die Hersteller Teile oder auch die gesamten Eigenentwicklungen wieder als Freie Software zur Verfügung. Einige dieser Entwicklungen sind auch bereits in die Debian GNU/Linux Distribution eingeflossen.

Natürlich gibt es auch einige Distributionen die auf Debian basieren und ebenfalls freie Software sind. Die solide Basis von Debian ist in allen Entwicklerlagern hochgeschätzt.

Natürlich stellen die Entwickler während der Arbeit an dem Produkt auch Fehler in der Software oder in den Debian Paketen fest. Auch diese Ergebnisse werden gemeldet bzw. von en Entwicklern gleich gefixt und fliessen wieder in das Gesamtprojekt ein.

Folgende Distributionen basieren aus Debian GNU/Linux:

Corel Linux

Homepage: http://linux.corel.com.

VA Linux

Homepage: http://www.valinux.com.

FederalLinux

Homepage: http://rhinohide.cx/fedlinux/.

Stormix

Leider mußte die Firma Stormix den Geschäftsbetrieb aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten einstellen. Homepage: http://www.stormix.com/.

Progeny

Homepage: http://www.progeny.com.

Openrock

Homepage: http://www.openrock.net.

Debian JP

Homepage: http://www.debian.or.jp/.

PingOO

Homepage: http://www.linuxedu.org/.

Linux-YeS

Homepage: http://eugene.mplik.ru/doc/lys/.

M.N.I.S. Linux

Homepage: http://www.mnis.fr/.

Linux Router Project

Homepage: http://www.linuxrouter.org/.

Floppix

Homepage: http://floppix.ccai.com/.

Dlite

Homepage: http://opensrc.org/dlite/dlite.html.

Homepage: http://www.libranet.com/.