Der GNOME Dateimanager

Einführung

GNOME enthält einen Dateimanager, der Ihnen eine Vielzahl von mächtigen Funktionen für das Bearbeiten der Dateien in Ihrem System zur Verfügung stellt. Dieser Dateimanager ist unter der Abkürzung GMC bekannt, die für GNU Midnight Commander steht. GMC beruht auf dem Dateimanager Midnight Commander, der in einem Terminalfenster ausgeführt werden kann.

Der Midnight Commander ist seit langem für seine Leistungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit bekannt. GMC bietet Ihnen alle Vorzüge von MC und verbindet diese mit der grafischen Benutzeroberfläche von GNOME.

Der GNOME-Dateimanager stellt die Desktop-Funktionen für GNOME bereit. Der GNOME-Dateimanager bietet Ihnen zudem mit seinem Programmfenster einen Ort für das Bearbeiten von Dateien in Ihrem System.

Abbildung 6-10. GNU Midnight Commander – Der GNOME-Dateimanager

Der GNOME-Dateimanager besteht im wesentlichen aus zwei Hauptfenstern. Auf der linken Seite befindet sich eine Baumansicht, in der alle Verzeichnisse in Ihrem System in hierarchischer Ansicht dargestellt werden. Auf der rechten Seite befindet sich das Verzeichnisfenster, in dem Ihnen der Inhalt des in der Baumansicht angezeigten Verzeichnisses dargestellt wird.

Um ein Verzeichnis in der Baumansicht zu markieren, müssen Sie lediglich mit der Maus auf dieses Verzeichnis klicken. Dadurch wird das entsprechende Verzeichnis mit den darin enthaltenen Dateien in der Verzeichnisansicht dargestellt. Wenn das gewählte Verzeichnis weitere Unterverzeichnisse enthält, können Sie auf das Pluszeichen in der Baumansicht klicken, um die Verzeichnisansicht zu erweitern.

Die Hauptdateiansicht bietet Ihnen einige nützliche Optionen für die Anzeige der Dateien, darunter die Symbolansicht und die detaillierten Ansichten.

Bei der Symbolansicht (Icon view) handelt es sich um die Standardansicht, bei der große Symbole für jede Datei angezeigt werden. In der Listenansicht (Brief view) werden die Dateien und Verzeichnisse in einer Liste ohne weitere Informationen angezeigt. In der detaillierten Ansicht (Detailed view) erhalten Sie hingegen zusätzlich Informationen zu den aufgelisteten Dateien. Bei der benutzerdefinierten Ansicht (Custom view) können Sie individuell festlegen, welche Informationen über die Dateien auf dem Bildschirm angezeigt werden sollen.

Wenn Sie in der Listenansicht, detaillierten Ansicht und den benutzerdefinierten Ansichten auf eine der Spaltenbeschriftungen an der Oberseite des Fensters klicken, werden die Dateien gemäß dieser Information sortiert. Wenn Sie beispielsweise nach den größten Dateien im Verzeichnis suchen möchten, können Sie auf den Spaltenkopf Size klicken, um die Dateien der Größe nach sortieren zu lassen. Wenn Sie nochmals auf Size klicken, wird die Sortierreihenfolge umgedreht.

Navigieren im GNOME-Dateimanager

Über der Baumansicht und den Feldern für die Dateianzeige im GNOME-Dateimanager befindet sich das Textfeld Location.

In dieses Textfeld können Sie für die Datei, die Sie im Hauptfenster anzeigen möchten, eine Pfadangabe vornehmen.

Der GNOME-Dateimanager ist auch für das Anzeigen von FTP-Sites geeignet. Wenn Sie eine FTP-Site anzeigen möchten, müssen Sie entweder über eine Einwählverbindung oder ein Netzwerk mit dem Internet verbunden sein. Sobald Sie die FTP-Adresse in das Textfeld Location eingegeben haben, versucht der GNOME-Dateimanager den Verbindungsaufbau mit der jeweiligen Site.

Die FTP-Adressen müssen Sie in der folgenden Weise in das Feld eingeben:
ftp://[Adresse der Site]

Über dem Textfeld Location befinden sich die Navigationsschaltflächen des Dateimanagers. Mit Hilfe der Buttons mit den Pfeilsymbolen können Sie jeweils um eine Stufe in der Verzeichnisstruktur weiternavigieren. Wenn Sie auf das Symbol mit dem nach links zeigenden Pfeil klicken, kehren Sie in das zuvor angezeigte Verzeichnis zurück. Durch Klicken auf das mittlere Pfeilsymbol können Sie hingegen das darüberliegende Verzeichnis anzeigen, während der Button mit dem nach rechts zeigenden Pfeil das nächste Verzeichnis anzeigt (wenn Sie zuvor mit dem linken Button ein früher angezeigtes Verzeichnis aufgerufen haben).

TIP: Mit der mittleren Maustaste können Sie jederzeit ein zweites Fenster öffnen. Klicken Sie mit der mittleren Maustaste (oder gleichzeitig mit der linken und rechten Maustaste, wenn Sie die mittlere Taste emulieren) auf ein Verzeichnis im Hauptfenster, um ein neues Fenster anzuzeigen, das den Inhalt des aktiven Verzeichnisses anzeigt.

Markieren von Dateien

Das Markieren von Dateien erfolgt durch Klicken mit der Maus auf die gewünschten Dateien im GNOME-Dateimanager. Die markierte Datei wird dann zur optischen Unterscheidung hervorgehoben.

Für das Markieren mehrerer Dateien existieren mehrere Möglichkeiten. So können Sie das „Gummiband“ verwenden, indem Sie mit dem Mauszeiger einen Rahmen um mehrere Dateien ziehen. Durch diese schmale gepunktete Linie, das "Gummiband", können Sie die darin enthaltenen Dateien markieren.

Abbildung 6-11. Markierung mit dem "Gummiband"

Wenn Sie die Dateien nach bestimmten Kriterien markieren möchten oder die gewünschten Dateien nicht unmittelbar nebeneinander angezeigt werden, können Sie die STRG-Taste verwenden, um zusätzlich zu den bereits markierten Dateien weitere Dateien auszuwählen. Hierzu müssen Sie lediglich beim Markieren weiterer Dateien die STRG-Taste gedrückt halten. Dadurch können Sie Ihrer bisherigen Dateiauswahl weitere Dateien hinzufügen, was ohne gedrückte STRG-Taste nicht möglich wäre. Sobald Sie alle gewünschten Dateien mit einer der Methoden markiert haben, können Sie diese Dateien kopieren oder verschieben.

Sie können auch alle Dateien in einem Verzeichnis markieren, indem Sie den Befehl Select All im Menü Edit wählen.

Mit Hilfe des Befehls Select Files im Menü Edit können Sie zudem Filter für die Auswahl der Dateien verwenden. Nach Wählen des Befehls Select Files wird ein Dialogfeld angezeigt, in das Sie die Kriterien für das Auswählen der Dateien eingeben können. Beispielsweise könnten Sie alle Dateien in einem Verzeichnis auswählen, deren Bezeichnung mit dem Buchstaben D beginnt. Hierzu müssen Sie d* eingeben, wobei * als Platzhalter verwendet wird.

Kopieren und Verschieben von Dateien

Beim Ziehen und Ablegen von Dateien im GNOME-Dateimanager werden diese standardmäßig verschoben. Wenn Sie während des Ziehens und Ablegens hingegen die Umschalttaste gedrückt halten, werden die entsprechenden Dateien kopiert. Dies betrifft auch Dateien, die Sie auf den Desktop ziehen.

Wenn Sie bei gedrückter mittlerer Maustaste eine Datei ziehen oder beim Ziehen die ALT-Taste gedrückt halten, können Sie mit Hilfe eines Menüs wählen, welche Aktion durch das Ziehen vorgenommen werden soll. Sobald Sie die Datei ablegen, wird ein Kontextmenü mit den Optionen Copy, Move, Link und Cancel Drag angezeigt, mit dem Sie wählen können, ob Sie die Datei kopieren, verschieben, eine Verknüpfung erstellen oder den Vorgang abbrechen möchten.

Eine weitere Methode für das Kopieren oder Verschieben von Dateien besteht in der Verwendung eines Kontextmenüs, das Sie mit der rechten Maustaste aufrufen können. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei, die Sie kopieren oder verschieben möchten, und wählen Sie Move/rename oder Copy im Kontextmenü. Dadurch wird ein Dialogfeld angezeigt, mit dem Sie die gewünschte Aktion ausführen können.

Abbildung 6-12. Dialogfeld Move

Für die Verwendung des Dialogfelds Move (Verschieben) müssen Sie lediglich den Pfad des Zielverzeichnisses für das Verschieben angeben. Wenn Sie die Datei umbenennen möchten, geben Sie den neuen Namen der Datei einfach im Pfad an. Das Dialogfeld für das Kopieren sieht genauso wie das Dialogfeld Move/rename (Verschieben/Umbenennen) aus und wird in der gleichen Weise verwendet.

Wenn die zu verschiebende Datei mit einer symbolischen Verknüpfung verbunden ist – also mit einer virtuellen Verknüpfung mit dem tatsächlichen Speicherort der Datei – können Sie im Register Advanced Options das Kontrollkästchen Preserve Symlinks aktivieren. Wenn Sie dieses Kontrollkästchen aktivieren, wird die Verknüpfung aktualisiert und behält dadurch trotz des Verschiebens weiterhin ihre Gültigkeit.

Die Verwendung dieser Option wird empfohlen, wenn Sie Dateien mit symbolischen Verknüpfungen verschieben.

Umbenennen von Dateien

Für das Umbenennen von Dateien stehen Ihnen im GNOME-Dateimanager oder auf dem Desktop zwei Methoden zur Verfügung.

Eine Methode für das Umbenennen besteht darin, mit der rechten Maustaste auf die Datei zu klicken und den Befehl Properties im Kontextmenü zu wählen. Im Textfeld Filename können Sie dann den neuen Dateinamen in der gewünschten Form eingeben.

Abbildung 6-13. Dateieigenschaften

Die einfachste Methode zum Umbenennen von Dateien besteht im langsamen Doppelklicken auf die Datei. Dabei müssen Sie besonders darauf achten, daß Sie nicht zu schnell klicken, da andernfalls die Datei ausgeführt wird. Durch das langsame Doppelklicken können Sie den Dateinamen direkt bearbeiten, indem Sie den neuen Dateinamen direkt unterhalb des Dateisymbols eingeben.

Starten von Anwendungen mit dem GNOME-Dateimanager

Um eine Anwendung mit Hilfe des GNOME-Dateimanagers zu starten, müssen Sie lediglich im Hauptfenster auf das Symbol einer mit einer Anwendung verknüpften Datei mit der Maus doppelklicken.

Wenn mit der Datei noch keine Anwendung verknüpft ist, können Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei klicken und den Befehl Open with im Kontextmenü wählen. Dadurch wird ein Dialogfeld angezeigt, mit dem Sie die Anwendung festlegen können, die für das Öffnen der Datei verwendet werden soll. Wenn Sie beispielsweise die Datei test.txt mit Emacs (ein verbreiteter Texteditor) bearbeiten möchten, können Sie hierzu mit der rechten Maustaste auf test.txt klicken und Open with wählen. Im Dialogfeld Open with müssen Sie dann lediglich noch emacs vor den Dateinamen test.txt einfügen. Wenn Sie nun auf OK klicken, wird die Datei in Emacs geöffnet.

Abbildung 6-14. Dialogfeld Open With

Dateieigenschaften und Aktionen

Für jede Datei, die im Hauptfenster des Dateimanagers angezeigt wird, können Sie durch Klicken mit der rechten Maustaste auf das Dateisymbol ein Kontextmenü aufrufen, das Ihnen eine Vielzahl von Optionen für Dateieigenschaften und Aktionen zur Verfügung stellt.

Ändern der Einstellungen im Dateimanager

Sie können zahlreiche Einstellungen des GNOME-Dateimanagers individuell konfigurieren.

Diese Einstellungen werden über das Dialogfeld GMC Preferences vorgenommen. Dieses Dialogfeld können Sie aufrufen, indem Sie den Befehl Preferences im Menü Edit wählen.

Das Dialogfeld GMC Preferences besteht aus fünf Registern: File Display, Confirmation, Custom View, Caching Optimizations und VFS.

File Display

Abbildung 6-16. Einstellungen für File Display

  • Mit dem Register File Display können Sie einstellen, auf welche Weise Dateien in GMC angezeigt werden sollen.

    • Show backup files – Mit dieser Option werden möglicherweise vorhandene Sicherungsdateien auf Ihrem System angezeigt.

    • Show hidden files – Mit dieser Option werden alle verborgenen Dateien angezeigt (die mit einem Punkt am Anfang des Dateinamens gekennzeichnet werden). Zu diesen Dateien zählen normalerweise Konfigurationsdateien und -verzeichnisse.

      Mix files and directories – Mit dieser Option werden Dateien und Verzeichnisse gemäß den von Ihnen vorgegebenen Kriterien sortiert und angezeigt. Die Verzeichnisse werden in diesem Fall also nicht oberhalb der Dateien im Dateimanager angezeigt.

      Use shell patterns instead of regular expressions – Diese Option ist nur für fortgeschrittene Benutzer vorgesehen. Wenn Sie mit regulären Ausdrücken nicht vertraut sind, sollten Sie diese Option nicht verwenden. Die Option bietet Ihnen die Möglichkeit, reguläre Ausdrücke für das Suchen und Filtern von Dateien und Verzeichnissen zu verwenden.

Confirmation

Abbildung 6-17. Einstellungen für das Bestätigen

  • Mit Hilfe dieses Registers können Sie festlegen, bei welchen Aktionen der Benutzer seine Eingabe bestätigen muß.

    • Confirm when deleting file – Mit dieser Option wird vor dem Löschen von Dateien ein Dialogfeld angezeigt, in dem der Vorgang bestätigt werden muß.

    • Confirm when overwriting files – Mit dieser Option wird vor dem Überschreiben von Dateien ein Dialogfeld angezeigt, in dem der Vorgang bestätigt werden muß.

    • Confirm when executing files – Mit dieser Option wird vor dem Ausführen von Dateien ein Dialogfeld angezeigt, in dem der Vorgang bestätigt werden muß.

    • Show progress while operations are being performed – Mit dieser Option wird beim Ausführen bestimmter Vorgänge wie Kopieren, Verschieben, Löschen usw. eine Fortschrittsanzeige eingeblendet.

VFS

Abbildung 6-18. VFS-Einstellungen

  • Mit diesem Register können Sie die Optionen für Ihr virtuelles Dateisystem (VFS) konfigurieren.

    Mit Hilfe des virtuellen Dateisystems können Sie Dateien bearbeiten, die sich nicht in Ihrem lokalen Dateisystem befinden. Ihnen stehen verschiedene Versionen des VFS inklusive ftpfs und tarfs zur Verfügung. Mit ftpfs können Sie auf FTP-Sites zugreifen, während Sie mit tarfs die in tar-Archiven enthaltenen Dateien bearbeiten können.

    • VFS Timeout – In diesem Feld können Sie festlegen, wie lange die Verbindung mit einem virtuellen Dateisystem aufrechterhalten bleiben soll, wenn keine Aktivitäten erfolgen. Die Angabe von Werten für die Zeitüberschreitung erfolgt in Sekunden.

    • Anonymous FTP password – In diesem Feld können Sie ein Paßwort für das Anmelden an anonymen FTP-Sites festlegen. Normalerweise wird hierfür die E-Mail-Adresse verwendet.

    • Always use FTP proxy – Diese Option sollte aktiviert werden, wenn Sie über einen Proxy-Server auf FTP-Sites zugreifen.

Caching

Abbildung 6-19. Einstellungen für das Caching

  • Mit diesem Register können Sie Einstellungen für den Cachespeicher vornehmen, damit das Arbeiten mit dem GMC zügiger abläuft.

    • Fast directory reload – Mit diesem Kontrollkästchen werden Verzeichnisoptionen im Cache gespeichert, so daß diese schneller geladen werden können.

      WICHTIG: Wenn Sie das Kontrollkästchen Fast directory reload aktivieren, werden neue Dateien in den Verzeichnissen möglicherweise nicht angezeigt.

    • Compute totals before copying files – Durch Aktivieren dieses Kontrollkästchens ermittelt GMC vor dem eigentlichen Kopieren die Zahl der zu kopierenden Dateien, um Ihnen dadurch nähere Angaben über den Kopiervorgang zur Verfügung stellen zu können.

    • FTP directory cache timeout – Mit dieser Option werden Informationen zu kürzlich besuchten FTP-Sites für den von Ihnen angegebenen Zeitraum im Speicher gehalten. Dieser Zeitraum wird in Sekunden angegeben.

    • Allow customization of icons in icon view – Mit diesem Kontrollkästchen können Sie festlegen, daß durch Klicken mit der rechten Maustaste mit Hilfe des Befehls Properties im Kontextmenü die Symbolansicht benutzerdefiniert gestaltet werden kann. Auch wenn Sie jederzeit die Symbole für Objekte auf Ihrem Desktop ändern können, müssen Sie dieses Kontrollkästchen aktivieren, um auch die Symbole in der Symbolansicht ändern zu können.

      WICHTIG: Wenn Sie die Funktion Allow customization of icons in icon view aktivieren, kann dadurch Ihr System verlangsamt werden.

Übersicht über die Menübefehle im GNOME-Dateimanager

In diesem Abschnitt werden die verschiedenen Menübefehle im GNOME-Dateimanager beschrieben.

Tip: Alle Menüs im GNOME-Dateimanager können "abgelöst" werden. Dies bedeutet, daß Sie durch einfaches Wählen der stilisierten Perforationslinie an der Oberseite des jeweiligen Menüs dieses beliebig auf dem Desktop verschieben können.

Überblick über die Funktionen zum Ziehen und Ablegen in GNOME

Der Desktop Ihrer GNOME-Benutzeroberfläche bietet Ihnen eine Vielfalt praktischer Möglichkeiten, mit denen Sie sich die Arbeit am Computer erleichtern können. Die Funktionen zum Ziehen und Ablegen können für viele Bereiche in GNOME genutzt werden und vereinfachen zahlreiche Abläufe. Im folgenden erhalten Sie eine Reihe von Tips und Tricks, wie Sie die Funktionen zum Ziehen und Ablegen in GNOME sinnvoll nutzen können. Wenn Sie sich diesen Abschnitt durchgelesen haben, verfügen Sie bereits über einen guten Einblick in die Möglichkeiten, die GNOME fortgeschrittenen Benutzern bietet.