1.3.4. Supernetzbildung

Das Gegenteil der Subnetzbildung ist die Zusammenfassung mehrerer Netz-Adreßräume zu "Supernetzen". Auch das findet zunehmend Verwendung. Dafür gab es mehrere Anlässe: Die traditionelle Art der "Internet-Versorgung" ist hier dargestellt:

Die Adreßräume der einzelnen Kunden eines Providers sind entsprechend der früher providerunabhängigen Adreßraumvergabe eher "zufällig", d.h., für jeden einzelnen Kunden sind im gesamten Internet-Backbone Routingeinträge erforderlich.

Mit Kunden sind hier keine Einzelplatz-Einwahl-Nutzer, sondern Firmen bzw. Institutionen gemeint, die einen eigenen Adreßraum beanspruchen.
In Router 1 werden beispielsweise folgende (vereinfachte) Einträge benötigt:

Ziel nächster Router oder direkt verbundenes Netz
Netz 155.9 direkt
Netz 144.9 Router 2
Netz 152.1 Router 2
Netz 192.7.7 Router 2
Netz 192.20.3 Router 3
Netz 192.11.4 Router 3
Netz 192.11.7 Router 3
Netz 192.22.3 Router 3

Seit etwa 1993 gibt es eine neue Strategie:

Ein (sehr kleiner) IP-Provider XY bekomme beispielsweise die vier Klasse-C-Netze 200.9.4 bis 200.9.7 zugewiesen. Diese Netzadreßteile unterrscheiden sich in den ersten 22 Bit nicht. Es gilt daher die Supernetzmaske
  11111111 11111111 11111100 00000000
Bei Kenntnis dieser Maske kann der IP-Provider seine drei Kunden und sich selbst aus Sicht des Internet-Backbones zu einem Supernetz 200.9.4 zusammenfassen:

Im Router 1 lassen sich jetzt die letzten vier Einträge zusammenfassen:

Ziel nächster Router oder direkt verbundenes Netz
Netz 155.9 direkt
Netz 144.9 Router 2
Netz 152.1 Router 2
Netz 192.7.7 Router 2
Super-Netz 200.9.4 (Supernetzmaske 255.255.252.0) Router 3

Durch diese Interpretation von Adressen zusammen mit einer Maske wird die Klasseneinteilung (A-B-C) weitgehend gegenstandslos, da man jetzt Netze mit nahezu beliebiger Größe bilden kann (die Größe muß nur eine Zweierpotenz sein).
Wegen dieser Eigenschaft und dem Routingproblem als Anlaß ist die Supernetzbildung auch unter dem Namen Classless Inter-Domain Routing (CIDR) bekannt geworden (RFC 1519).

Anmerkung:

Die Supernetz-Adressierung, im Englischen auch Supernetting genannt, erfordert in den beteiligten Systemen veränderte Routing-Algorithmen und Routing-Tabellen, da jetzt die IP-Adressen als klassenlos betrachtet, dafür aber mit einer Supernetz-Maske verknüpft werden müssen. Diese Maske muß man natürlich in der Routing-Tabelle speichern und zwischen den Routern austauschen, wofür entsprechend erweiterte Routing-Protokolle erforderlich sind. Es wird immer diejenige Route ausgewählt, deren Adresse unter Beachtung der Maske die längste Übereinstimmung mit der Zieladresse des zu routenden IP-Datagramms aufweist (man spricht von longest match).


Frage 1.3.4.1.:

Welche Konsequenzen ergeben sich aus CIDR, wenn ein Kunde aus Redundanzgründen einen Anschluß bei zwei verschiedenen IP-Providern haben möchte?


© Uwe Hübner, 19.3.98