1. Das Internet-Protokoll (Teil A)

1.1. Einführung

Im Teil II geht es um Technologien, Protokolle, Planung und Management von Netzen. Die Internet-Technologie wird dabei wieder im Vordergrund stehen, aber auch relevante Alternativen werden berücksichtigt.

Nachdem Sie nun alle wesentlichen Internet-Anwendungen "perfekt" benutzen können und auch mit den noch nicht so bekannten Aspekten (Sicherheit, Video/Audio ...) vertraut sind, stellt sich Ihnen vielleicht die Frage:

Wozu muß ich das alles wissen?
Ein "Endanwender" sollte das Netz erfolgreich benutzen können, ohne die Details der "darunter" befindlichen Technik kennen (und verstehen) zu müssen.

Das setzt voraus, daß "jemand" das Netz und die Endsysteme korrekt eingerichtet hat und bei auftretenden Störungen schnelle Abhilfe schaffen kann.

Leider erweckt das Marketing nicht weniger Hersteller den Eindruck, daß man nur auf einen Knopf klicken muß, und schon ist alles problemlos in Betrieb genommen. Daß dies selten mit der Realität übereinstimmt, wird jeder schon gemerkt haben. Praktisch kein Hersteller schafft es, seine Produkte in allen denkbaren Anwendungsumgebungen gründlich zu erproben.
Netz-Experten werden an den unterschiedlichsten Stellen gebraucht: Ehe wir uns in den folgenden Kapiteln spezielleren Aspekten zuwenden, ist ein Blick auf die etwas detaillierter dargestellte Internet-Protokollarchitektur sinnvoll:

In den bekannten vier Schichten Anwendung, Transport, Internet und Subnetz sehen Sie einige neue Elemente:

Eine andere Perspektve erhält man, wenn die "Verpackung" einer Nutzinformation (in diesem Fall einer mittels HTTP transportierten Web-Seite) betrachtet wird:

Jede Schicht fügt der Nutzlast (Payload) der höheren Schicht ihre eigenen Verwaltungsinformationen (Protokollköpfe) hinzu.
Wir sehen auch, daß für eine Dateneinheit in den unterschiedlichen Schichten unterschiedliche Begriffe gebräuchlich sind (Rahmen - Datagramm - Segment). Wenn man diese Differenzierung nicht herausstellen möchte, wird meist einfach von einem Paket gesprochen.

Nicht immer ist eine 1:1-Relation bei dieser "Verpackung" anzutreffen. So wird eine Web-Seite (HTTP-Dateneinheit) meist in mehrere TCP-Segmente bzw. IP-Datagramme aufgeteilt. Auch zwischen anderen Schichten kommen solche Aufteilungen oder Zusammenlegungen vor; das ist aber seltener.

Verfolgen wir z.B. den Weg einer Information von einem Ethernet-Anschluß bis zu einer Anwendung:

An mehreren Stellen erfolgt hier ein Demultiplexing, d.h. eine Aufteilung des Informationsstroms auf mehrere alternative Zweige zur Weiterverarbeitung.

Durch eine Typkennung im Ethernet-Rahmen wird zunächst zwischen ARP und IP unterschieden.

Im IP-Protokoll ist eine Kennung für das "nächsthöhere" Protokoll vorgesehen. Hier erfolgt die Unterscheidung nach TCP, UDP, ICMP oder IGMP.

In TCP bzw. UDP schließlich sorgen Portnummern für die Unterscheidung der einzelnen Anwendungen.


Literaturhinweise:

Die nachfolgenden Empfehlungen sind Übersichts- und Grundlagenwerke zum Teil II insgesamt; bei den einzelnen Kapiteln folgen dann noch Verweise auf vertiefende Spezialliteratur.


© Uwe Hübner, 20.12.98