Vorbereitung
Am 25. 1. 2006 schickte ich den folgende Mail an Karl-Heinz nach Salzwedel:

25.1.2006
Hallo Gorl,
 
"Gorl in Gamms" geht in die vierte Runde. In dieses Treffen purzeln ja die Hochzeitstermine der Kinder. Günstig wäre  die Woche vom 3.-7. April. Da könnten wir nahtlos in den Polterabend am 8. hinüberwachsen. Aber das Oberkommando hat die Befehlsausführung verweigert, obwohl wir doch von jedem Polterabend wieder erwacht sind.

Hier ginge es auch:

13.-17. März oder 20.-24. März.

Auch andere Termine sind angenehm, aber zu früherer Zeit kann es im Erzgebirge noch schön kalt und verschneit sein.

Das Programm:       Das Westerzgebirge

Montags
 machen wir es wie immer montags:  Freudige Begrüßung mit Rundgang durch den Harthwald und Blumenkauf für die Schwächern. Im Kaufland gibt es Magenwärmer!

Dienstag:
 Wir fahren nach Johannstadt ins Glöckl: http://www.frisch-glueck.de/gloeckl/index.html
Die Führung dauert ca. 2 Stunden, falls wir keine übermäßig dummen Fragen stellen. Danach wandern wir zum Auersberg, kostet Kraft und greift an.

Mittwoch:
 Heute gehts zum Stülpnertrunk: http://www.lautergold.de/
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"Erleben Sie die über 270jährige Tradition Alter Laborantenkunst " 

Wir laden Sie zu einer Werksführung mit Verkostung im Hause Lautergold ein
Die Firma Lautergold Paul Schubert GmbH in Lauter bietet mit der Sonderschau „Alte  Laborantenkunst" einen Erlebnisbereich, der sich nicht nur zum Lauterer Vugelbeerfast, sondern im gesamten Jahr zu einem ausgesprochenen Besuchermagneten im Erzgebirge entwickelt hat.
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Nachdem uns der Schubert Paul alles erklärt, wandern wir in Aue (Wismut Aue) am Floßgraben entlang. Der alte Wismuter kennt sich dort aus, in Kneipen, Schächten und Wäldern.

Donnerstag:
 Wir fahren mit der Erzgebirgsbahn nach Pfaffenhain.  Für Pfaffenhain ist folgendes Volkslied zu lernen (Ich frage es ab!!)

Auf der Pf..affenhainer    L..äng*
ist ein Pf..erd   ge..st.ürzt.
Kam die F..euerwehr
hats hochge..l..eiert.

(* Die Pfaffenhainer Länge ist eine ca. 3 km lange schnurgerade Strasse - Teilstück der B169 Chemnitz Aue - die gern als Rennstrecke genutzt wird und wo das Blitzen fette Gewinne anwirft.)

Das allein wäre zu einfach. Du mußt schon ein bissel Wortumstellung betreiben. Die durch .. gezeichneten Buchstaben sind in der Zeile  bzw. zwischen den letzten zwei Zeilen zu tauschen. Das ganze muß noch Sächssch-Arzgebargsch ausgesprochen werden. Kleine Hilfestellung: Pferd = Pfaar (su heest dos hier)

Von dort wandern wir durch den Stegenwald nach Lugau (zum Pisepampel) und weiter nach Gersdorf zur Glück-Auf-Brauerei.
 http://www.glueckaufbiere.de/
Dort gibt es ein kleines Museum und eine Traditionsstube, was immer das sein soll. Aber, wir werden es schon aufklären. Für den Rückweg müssen wir uns allerdings Deine Schwächern organisieren, weil Nachhause, nach 16 km Hintour auch 16 km Rücktour bedeuten würde, nach einer Brauereibesichtigung sowieso niemand laufen möchte, söllte, könnte usw.

Freitag:
 Wird ganz einfach. Karl trinkt Kaffee und fährt nach Salzwedel. Bestimmt habe ich auch wieder eine CD fertig, die wir zum Abschied lautstark im Auto abspielen könnten.
Na dann,
Glück Auf!
 
rainer@rainer-tippmann.de -- http://www.rainer-tippmann.de/
Rainer Tippmann ; FAX / Fon (0371) 24 25 26 Am Harthwald 18 ; 09123 Chemnitz

 

 

27. 3. 2006                                                  



Karl als Pegelmesser

27. 3. 2006  - Montag - Anreise

 Karl traf gegen 1300 Uhr in Chemnitz ein. Nach einem kleinen Minimittagessen mit einem noch kleineren Bier und dem kleinsten Kräuter eröffneten wir die traditionellen Einstiegsrunde durch Stadtpark und Harthwald. Es war gerade die Zeit der herannahenden Flutgefahr. Die Chemnitz war randvoll gefüllt und am ehemaligen Flussbad wurden die Sandsäcke gestapelt. Karl legte sich zum Fototermin auch sogleich auf die herrlich eingerichtete Sandsacklinie. Mit dem Hochwasser ging es aber gutmütig aus-, die Chemnitz verließ ihr Bett nicht und die Sacklinie war somit nur eine Vorsichtsmaßnahme. Die Fotos ließen wir uns im Promarkt sogleich ausdrucken, sozusagen als Vorschau für kommende Fluten, die aber zum Glück ausblieben.
Der Gang durch den Harthwald war auch reichlich ungemütlich wegen des auf fast allen Wegen fließenden Wassers. Die vortägigen anhaltenden Regenfronten, die im höheren Erzgebirge für Schnee sorgten, sorgten für reichlich Wasser in Sachsen. Wir schafften es aber trotzdem bis zum Kaufland. Dort besorgten wir die Fischsemmeln für das traditionelle Eröffnungsabendbrot. Und ein Frühlingsblumenkorb für die Schwächern fiel auch noch ab.
                                         

28. 3. 2006                                                                                                                                                                   

Viel Schnee am Auersberg







Im Glöckl



Eine Arbeitsschutzanweisung aus 1950











Im Pferdegöpel



28. 3. 200- Johanngeorgenstadt  (7 km)

 Wir fuhren pünktlich 800 Uhr in Richtung Johannstadt ab und waren 930 Uhr am Besucherbergwerk „Glöckl“. Da aber Führungen erst ab 5 Personen durchgeführt werden, mussten wir unser Programm ändern. Uns blieb der Trost, dass die 1330 Uhr-Führung auch nur mit einer Person stattfinden wird. So fuhren wir zuerst zum Auersberg, um eine kleine Wanderung zum und um den zweithöchsten Berg des deutschen Erzgebirges zu unternehmen. Am Auersberg lag noch jede Menge alter und verharschter Schnee. Die Berge waren übermannshoch. Selbst der Parkplatz „Sauschwemme“ war nur notdürftig geräumt. So wanderten wir gemütlich die Fahrstraße zum Auersberg hoch. Ein Abweichen vom Weg war nicht ratsam, die steifgefrorenen Schneemassen erschwerten das Laufen ungemein. Die Sicht auf dem Berg war wegen Nebel auch schlecht, also verlegten wir unsere Bergwanderung nach Johanngeorgenstadt als Stadtwanderung. Johanngeorgenstadt hat in den letzten 50 Jahren durch den russischen Wismut-Bergbau ein ganz neues Stadtgesicht bekommen. Altes Handwerk, z.B. die Handschuhmacher, ist auch noch ansässig. In der Gaststätte „Zum Pferdegöpel“ bekamen wir ein sehr schmackhaftes Mittagessen in der Art „Arzgebarscher Hausmannskost“. Und die nette Kellnerin hat geduldig unsere Fragen bezüglich Johannstadt und Umgebung beantwortet. Der Pferdegöpel (Museum) stand aber erst zum Tagesausklang, nach dem Glöckl, auf unserem Programm.

Johanngeorgenstadt - http://www.johanngeorgenstadt.de/

Hinter diesem langen Namen verbirgt sich eine 5.750 Einwohner zählende Bergstadt, die 1654 mit Erlaubnis des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. gegründet wurde. Johanngeorgenstadt liegt im Südzipfel des Landkreises Aue-Schwarzenberg an der Grenze zur Tschechischen Republik. Jahrhundertelang formte der Bergbau das Antlitz dieser Stadt, die inzwischen zu einem Zentrum der Erholung und des Wintersports geworden ist und noch wird. Inmitten des waldreichen Westerzgebirges, umgeben von vielen Naturschönheiten, bietet die Region um den 1.019 m hohen Auersberg all jenen, die Ruhe und Entspannung suchen, aber auch Aktivurlaub erleben möchten, ideale Voraussetzungen für einen erlebnisreichen Urlaubsaufenthalt. Die Auersbergregion ist das größte geschlossene Waldareal Sachsens mit über 400 km gut markierten Wanderwegen und Naturlehrpfaden. Die drei Trinkwassertalsperren – Sosa am Fuße des Auersberges, Eibenstock (mit 350 ha die größte) und Weiterswiese bei Carlsfeld (die höchstgelegenste Sachsens) – umgeben von Wiesen und Wäldern, fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. 

Johanngeorgenstadt, im oberen Schwarzwassertal, zählt mit zu den größten Ansiedlungen im Landkreis; das Stadtgebiet umfasst etwa 30 qkm und liegt zwischen 700 und 1000 m üNN hoch. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert auch als Sommerfrische bekannt, ist die Stadt aufgrund ihrer landschaftlichen Besonderheiten und ausgezeichneten klimatischen Gegebenheiten ein rechtes Wanderparadies. Vor allem sei hier der grenzüberschreitende “Anton-Günther-Rundwanderweg” genannt. Imponierende Fernblicke bis weit in das böhmische Erzgebirge hinein, blühende Waldwiesen, wildromantische Täler verlocken gleichermaßen zu Streifzügen durch Stadt und Natur. Die Teufelssteine sowie die NSG “Steinbachtal” und “Hochmoor Kleiner Kranichsee” sind wie für Naturfreunde geschaffen. Weitere touristische Angebote und Sehenswürdigkeiten sind: ganzjährige Schnitz-, Pyramiden- und Schwibbogenausstellung, das Schaubergwerk “Frisch Glück - Glöckl” mit Mettenschicht (Vorbestellung erforderlich!), der “Pferdegöpel”, der Auersberg mit Aussichtsturm, die neogotische Stadtkirche, die historische Postmeilensäule, das Naturbad “Am Schwefelbach”, der “Naturlehrpfad Steinbachtal”, Reittouristik, Kremserfahrten, Kegelbahn. 

Kleinere und mittlere Gewerbe- und Industriebetriebe sowie Einkaufsmöglichkeiten entlang der Eibenstocker Straße prägen die zersiedelte Stadtstruktur, die durch eine bewegte Bergbaugeschichte, vor allem durch die SDAG Wismut, geschaffen wurde. Der reich frequentierte Grenzübergang im Stadtteil Wittigsthal für Fußgänger, Radfahrer und per Bahn ist der ideale Ausgangspunkt für Exkursionen ins Nachbarland; mit der Eisenbahn erreicht man in kurzer Zeit das böhmische Kurzentrum Karlovy Vary.

Das Wintersportparadies Johanngeorgenstadt zählt zu den schneesichersten Mittelgebirgslandschaften Deutschlands. Glitzernde Schneekristalle, tiefverschneite Wälder, malerische Ausblicke über den Erzgebirgskamm, Impressionen in Weiß erwarten den Besucher. Für die abwechslungsreiche Betätigung sorgen zahlreiche sportliche Einrichtungen; wie das Natureisstadion und der Doppelschlepplift, ein weitverzweigtes, wohlpräpariertes Loipennetz mit einer der wohl schönsten und längsten, der Kammloipe (Schöneck – Mühlleithen – Carlsfeld – Johanngeorgenstadt mit Anschlussloipen etwa 100 km) beginnt oder endet am neuen Loipenhaus. Ein interessanter Schanzenkomplex (mehrere Sprungschanzen), lassen das Städtchen besonders attraktiv erscheinen. Wer jedoch die herrliche Winterlandschaft mit einem Hauch Romantik erleben möchte, sollte eine Fahrt mit dem Pferdeschlitten unternehmen. Feste werden hier besonders erzgebirgisch ausgiebig und fröhlich gefeiert, so der jährliche Stadtgründungstag am 23. Februar, das “Pferdegöpelfest”, das “Gugler Fast” und das “Altstadtfest” im Sommer, das “Bahnhofsfest” im Herbst sowie das Schwibbogenfest im Dezember (3. Adventswochenende), die viele Gäste gern besuchen; Johanngeorgenstadt ist nämlich auch die Stadt des Schwibbogens, deren ältestes Exemplar die Jahreszahl 1778 trägt, er wurde vom einheimischen Bergschmied Teller angefertigt.

Richard Truckenbrodt, ein Volkskundler, schrieb einst: “Diese Schwibbogen sind eine Eigentümlichkeit von Johanngeorgenstadt, die im übrigen Gebirge kaum bekannt ist”. Mittlerweile gilt der Schwibbogen, der uralte erzgebirgische Weihnachtsbräuche mit bergmännischem Gedankengut vereint, als Weihnachtssymbol im Erzgebirge. Tausende Lichterbögen erstrahlen um das Christfest in den Fenstern der oft tiefverschneiten Orte und vermitteln ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit (die einem der Erzgebirger übrigens zu jeder Jahreszeit vermittelt). 

Die Bergbaugeschichte ist geprägt von einer Einmaligkeit, die ihresgleichen sucht. Noch heute geben unzählige Zeitzeugen des Jahrhunderte währenden Bergbaus, wie das Schaubergwerk “Frisch Glück - Glöckl”, der 1993 originalgetreu wiedererrichtete “Pferdegöpel” sowie die bergbaulichen Anlagen entlang des Bergbaulehrpfades Auskunft über das harte und schicksalhafte Leben der Bergleute. Der älteste Göpel wurde 1721 von den Silbergruben “Hohneujahr” und “Unverhofft Glück” errichtet, mit dem aus 140 m Tiefe gefördert werden konnte. Erhalten sind in Johanngeorgenstadt in überreichem Maße Kultur, Brauchtum und Tradition; hier werden sie behutsam gepflegt, deshalb ist ein Abstecher in unseren Erholungsort in jedem Falle lohnenswert. 

 Pünktlich 1330 Uhr standen wir erwartungsvoll am Glöckl. Wir waren die einzigen Gäste und Herr Lupitz empfing uns in Bergmannstracht zu einer eineinhalbstündigen, interessanten Führung. Aus Zeiten der Wismut wird noch eine vielfältige und vor allem betriebsbereite Bergbautechnik ausgestellt. Während unserer „Privatführung“ standen wir so an dem preßluftgetriebenen Bohrhammer und am Überkopflader. Das Glöckl war der Schacht 1 und Johannstadt das Objekt 1 zu Beginn der Wismutzeit, also der Ausgangspunkt der scheinbar so undurchsichtigen und geheimnisvollen Zählung der Schächte und Verwaltungseinheiten der Wismut. Das Objekt 9 war später Aue und in die Schächte 66 in Schlema und 371 in Hartenstein bin ich 1965 als Lehrling eingefahren.

http://www.frisch-glueck.de/

Die Bergstadt Johanngeorgenstadt wurde als letzte bedeutende Bergstadt des sächsischen Erzgebirges im Jahre 1654 von böhmischen Exulanten gegründet. Die Gegenreformation in Böhmen Anfang des 17. Jahrhunderts trieb viele Menschen, darunter Familien von Bergleuten aus der Gegend von Platten, in das sächsische Grenzgebiet. Auf der Suche nach Silbererzen wurde man 1658 erstmals fündig. Bis ins 15. Jahrhundert geht bereits ein Bergbau auf Zinn- und Eisenerze zurück, welcher jedoch zur Stadtgründung keine Verbindung aufweist.

Im Jahre 1671 wurde mit dem Vortrieb eines Stollens auf dem sog. Frisch Glück Spat , einem mit 70° einfallenden Silbererzgang, am Hinteren Fastenberg begonnen. Der Stollen lieferte 1682 das erste Silbererz. Die dann in grösseren Mengen brechenden Silbererze führten einerseits dazu, dass bereits 4 Jahre später der gesamte Verlag zurückgezahlt werden konnte, andererseits entwickelte sich die Grube zur Reichsten der Stadt. Von 1684 bis 1730 wurden insgesamt Erze mit einem Reinsilbergehalt von 9200 kg aus der Grube ausgebracht. Das höchste Ausbringen erreichte man 1716 mit 2400 kg.

Ab 1720 kam es zu einem Rückgang der Silberförderung und man versuchte durch die Neuauffahrung tieferer Sohlen neue Lagerstättenteile zu erschliessen. Der Freiberger Oberbergkommissar ANTON VON HEYNITZ  arbeitete ein Tiefbauprojekt aus und ordnete 1784 die Untersuchung der Erzgänge im Bereich der 95-Lr.-Strecke (+524.00NN) an. 1792 wurde die 140-Lr.-Strecke (+440.00NN) aufgefahren. Diese Versuche zur Verbesserung des Erzausbringens schlugen fehl, sodass die Arbeiten 1810 eingestellt wurden und die Grubenbaue unterhalb des St. Georg Stollens (+678.00NN) absoffen. Im Jahre 1829 erfolgte die Vereinigung der Gruben Frisch Glück und Neujahr.

Ab 1870 sank der Silberpreis durch die Einführung der Goldwährung rapide, sodass das Tiefbauunternehmen wieder ein Mißerfolg wurde. Man baute in den Folgejahren verstärkt andere Erze ab, konnte aber keine nennenswerten Gewinne erzielen. Besonderes Interesse lag auf Wismuterzen (Wismutpreis stieg um das 15fache) und Uranerzen. Letztere hatten bereits seit 1820 Bedeutung; um 1850 waren sie bereits einmal Haupteinnahmequelle der Grube. Von 1820 bis 1913 wurden ca. 30 Tonnen Uranerze, meist Uranpechblende, gefördert.

Im Spätsommer 1945 bricht nochmals ein neues Kapitel der Geschichte für die Grube an. Nach der Besetzung des Gebietes durch die Rote Armee wird die Betriebsabteilung Vereinigt Feld am Fastenberg der sowjetischen Buntmetallaktiengesellschaft WISMUT per Befehl der sowjetischen Militäradministration angegliedert. Vor dem Hintergrund der amerikanischen Atombombenabwürfe beginnt ein fieberhaftes Ringen um Uran für eine Atombombe der Sowjetunion. Unter denkbar schlechten Bedingungen arbeiten Zehntausende in den ersten Nachkriegsjahren im sog. Objekt 1 (Johanngeorgenstädter Bergrevier). Um 1950 werden ca. 80000 Mitarbeiter gezählt. Die Einwohnerzahl der Stadt steigt von 6500 im Jahre 1945 auf 42 000 nach 1950 an. Der Frisch Glück Kunst- und Treibeschacht wird zum Schacht 1 des Unternehmens. Im Jahre 1949 besitzt die UdSSR eine eigene Atombombe. Nach 1955 geht der Bergbau stark zurück und wird 1958 eingestellt. Bis dahin lieferte der Fastenberger Bergbau einige 10 000 Tonnen Uranerze an die Sowjetunion mit einem Uraninhalt von ca. 3500 Tonnen. Zahlreiche Bergschäden machten und machen sich bemerkbar, die zum Abriß von Teilen der historischen Altstadt führten. Weitere Teile der alten Stadt wurden im Zuge geplanter Resterzgewinnung (Versatz im FSB) und ökonomischer Fehlinterpreationen der Vorratslage Anfang der 50er Jahre geräumt und abgerissen. Bis heute hat sich die Stadt nicht von dieser Zerstörung erholt.

Im Zuge des Nachkriegsbergbaues entstanden auf Frisch Glück 2 neue Maschinenräume für die Förderung im Blindschacht. Der Schacht selbst wurde viertrümig ausgebaut. Parallel zur alten Aufschlagrösche wurde bereits 1947 ein neuer Stollen (Frisch Glück Neu) zur Bewältigung der steigenden Fördermengen vorgetrieben. Am 24. September 1958 wurde die Flutung der Grube von der 180- Lr.- Strecke aus eingeleitet. 1959 wurde die stark beschädigte Kaue rekonstruiert. 1974 begann man mit der Erschließung kleiner Teile der Grube als technische Schauanlage. Im Jahre 1991 erfolgte ein Personalwechsel und die Neuorientierung der Anlage als Lehr- & Schaubergwerk wurde in Angriff genommen. Bisher wurden zahlreiche Erlebnisbereiche neu- oder umgestaltet.

Das Führungsprogramm wurde wesentlich erweitert und wissenschaftlich grundlegend überarbeitet. In den Folgejahren sind entsprechend der Finanzausstattung weitere Projekte geplant. Grundlegende Instandhaltungs- und Erweiterungsarbeiten erfolgten 1995/96 in Höhe von 970 000.- DM durch Fördermittelzuweisungen von Land und Bund. Ein neues Huthaus entstand 1997 und bildete die Grundlage für die weitere solide Museumsarbeit. Seit August 2000 ist die Bergknappschaft Johanngeorgenstadt e. V. Betreiber der Anlage.

 Im Schaubergwerk findet man auch eine lehrreiche Fotoausstellung zum Ursprung und den Arten der Schwibbögen des Erzgebirges. Johanngeorgenstadt soll der „Erfinder“ der Schwibbögen sein.

Nach der Glöckl-Führung mussten wir schnellstens zum Museum Pferdegöpel, dort wartete man auf uns zur letzten Tagesführung, wieder eine Einzel- und Privatführung. Es ist schon erstaunlich, wie wenig Leute wir in den Museen treffen und wie die Einrichtungen mit diesen spärlichen Einnahmen bestehen können. Die staatlichen Gelder sind aber trotzdem hier gut angelegt. Das Pferdegöpelmuseum lockt bestimmt noch weniger Besucher als die Schaubergwerke. Wir waren trotzdem sehr beeindruckt von diesem Technischen Denkmal.

Geschichte der Johanngeorgenstädter Pferdegöpel - http://www.pferdegoepel.de/

In der 1654 gegründeten Bergstadt Johanngeorgenstadt konnten zunächst die oberflächennahen Silbervorkommen noch ohne größeren Aufwand abgebaut werden. Bergbauliche Maschinen zur Wasserhaltung und Förderung kamen ab 1690 auf, wobei die Nutzung der Wasserkraft dominierte. Es entstanden jedoch auch drei Pferdegöpel. 

In den Jahren 1721/22 erbauten die beiden Silbergruben Hohneujahr und Unverhofft Glück den ersten Johanngeorgenstädter Pferdegöpel. Im gemeinschaftlichen Grubenfeld der beiden Gruben befand sich der etwa 140m tiefe Hohneujahr samt Unverhofft Glück Tagschacht. Das Zechenhaus dieses Göpels war direkt an das Göpelgebäude angebaut.  Als Förderseile kamen eiserne Treibeseile (Ketten) zur Anwendung. Die Brüchigkeit des Schachtkopfes erzwang 1749 die Ausmauerung der ersten 11 Lachter (22m) der Schachtröhre, die der Neustädtler Maurermeister Christian Eroldt als Trockenmauerung ausführte. Am 5. Mai 1788 ist dieser Pferdegöpel aus ungeklärter Ursache abgebrannt und wurde nicht wieder aufgebaut.
Dafür entstand in etwa 200m Entfernung, bei der seit 1716 bestehenden Neu Leipziger Glück Fundgrube, in den Jahren 1797/98 ein neuer Göpel - der bekannte Johanngeorgenstädter Pferdegöpel. Den Entwurf dazu lieferte der damalige Schneeberger Obereinfahrer und spätere Oberkunstmeister Carl Gottfried Baldauf. Im Dezember 1798 wurde die Förderung aus dem 140m tiefen Schacht aufgenommen  Bis zur Elektrifizierung des Bergbaus erfüllte der Pferdegöpel seine Funktion. 1917 wurde letztmals gefördert.
Der größte Pferdegöpel bei Johanngeorgenstadt wurde 1806 durch die Eisen- und Zinnerzgrube Henneberg Tiefer Erbstolln errichtet. Er stand am Zugang zum heutigen Naturschutzgebiet "Kleiner Kranichsee".  Als Förderseile dienten zwei geschmiedete Ketten. Mit dem Ende der Kontinentalsperre zur Zeit der napoleonischen Kriege setzte ein rascher Rückgang des erzgebirgischen Eisenbergbaus ein, der auch den Henneberg Tiefer Erbstolln nicht verschonte. Die kostenintensiven Maschinenanlagen mußten 1827 aufgegeben und abgebrochen werden. 

Die Technik der Pferdegöpel

Aufgrund ihrer charakteristischen Form kann man Pferdegöpel in alten Darstellungen einer Bergbaulandschaft sehr gut erkennen. Ein Pferdegöpel besteht aus dem pyramidenförmigen Göpelstuhl und dem daran angebauten Treibehaus, welches über der Schachtöffnung steht. Beide Gebäudeteile wurden ganz oder teilweise verbrettert bzw. mit Schindeln gedeckt.
Funktionell wichtigstes Bauteil ist die senkrecht stehende Göpelspindel, welche über einen langen Querbaum (Schwengel) von 2 Pferden gedreht wird. An der Göpelspindel befindet sich oben die Seiltrommel, auf der die beiden Förderseile gegenläufig aufgelegt sind. Befand sich die eine Fördertonne unten am Füllort, hing die andere gerade oben an der Hängebank im Pferdegöpel.
Beeindruckend sind die Abmessungen des Göpels von Neu Leipziger Glück. Die Göpelpyramide hatte bei 13,5m Höhe einen Durchmesser von 21m. Das gesamte Gebäude war 27,5m lang. Mit zwei Pferden konnten in einer achtstündigen Schicht 32 Fördertonnen vom Gnade Gottes Stolln aus ca. 140m Tiefe gefördert werden. Eine Fördertonne faßte etwa 0,25m³ Masse.
Die Grube selbst besaß keine Pferde - für 1 bis 2 Taler pro Schicht bespannten Fuhrleute, Bauern bzw. die Johanngeorgenstädter Postmeister den Pferdegöpel. Neben dem Treiber für die Pferde benötigte man zum Betrieb des Göpels den Anschläger im Füllort des Schachtes, der die Fördertonnen zu füllen hatte und den Treibemeister. Letzterem oblag die Aufsicht im Göpel. Er betätigte die Bremse und hielt mit einer Signaleinrichtung Verbindung zum Anschläger. 

Der Göpel wurde nach alten Bauzeichnungen weitestgehend wieder original errichtet. Erstaunlich ist dabei die „wiedergefundene“ alte Handwerkskunst. 1948 rissen die Russen das Denkmal des alten Pferdegöpels ab. Auf solche „Kleinigkeiten“ wollte die Wismut keine Rücksicht nehmen. Aber schon 1975 wurden die ersten Pläne für den Wiederaufbau angelegt, wobei zu DDR-Zeiten nichts realisiert wurde. 1992/93 war die Zeit dann reif: mit einer feierlichen Bergparade weihten die Johannstädter ihren Pferdegöpel als Technisches Denkmal ein. 

Mit dem Göpelmuseum hätte der Tag eigentlich beendet sein sollen, aber Karl wollte seine alte Lehrgangsstätte, das Arbeiterwohnheim in Bermsgrün, nochmals besichtigen. Dort schulte der VEB Monsator seine Monteure in Gas-, Wasser- und Kühlschranktechnik. Das ist jetzt ein feines Hotel mit Namen „Am Hohen Hahn“. Wernesgrüner Pilsner, was damals als besondere Rarität im Ausschank war, wird wohl heute im Hotel immer noch im Angebot sein, aber zu welchen Preisen. Auf dem Hotelparkplatz standen nur die Marken BMW und Audi -, der Hohe Hahn hat schon schlechtere Zeiten erlebt. 

Gegen 1830 Uhr meldeten wir uns in Chemnitz zurück. Ingi hatte uns zum Abendbrot leckere Putenschnitzel angerichtet. Ein genüsslicher Tagesausklang nach interessanten Museumsbesuchen. Karl wagte sich danach noch an den Computer, um die ersten CD-Brennversuche zu unternehmen. Heute standen die ungeraden Musiktitel auf dem Programm. Was es damit für ein Aufheben hatte, konnte ich erst nach längeren Erklärungen erfahren ...

29. 3. 2006                                                                                                                                                                



Frau Schubert von Lautergold



Karl bekommt große Augen





Bergfreiheit Aue





Im Knappensaal

Im Füllort .....

..... beim Fußlappen

Händedruck der Aktivisten

29. 3. 2006  - Mittwoch  - Lauter - Aue - Schlema (6 km) 
 

Unser erstes Ziel soll heute die Lautergold Paul Schubert GmbH sein. Diese Firma produziert den bekannten Stülpnertrunk. Nach einstündiger Fahrt standen wir 915 Uhr im Ladengeschäft von Lautergold. Die Firmenchefin, Frau Schubert empfing uns persönlich. Eigentlich wollten wir ja das Firmenmuseum „Alte Laborantenkunst“ besichtigen, aber die Eigentümerin erklärte uns, dass das Museum nur für Reisegesellschaften (Busreisen) geöffnet wird. Wir, als 2-Mann-Reisegruppe, hatten keine Chance auf Einlaß. Auch mehrmalige Bittgesänge halfen nichts, Frau Schubert blieb hart. Das fanden wir nun nicht sehr kooperativ, zumal während des Aufenthaltes im Ladengeschäft kein einziger Kunde die Innung betrat. Dafür konnten wir einen Blick, aber auch nur durch das Fenster, in die Produktionshalle der Abfülllinie werfen. Die Abfülltaktstraße wird nur noch einmal pro Woche in Betrieb gesetzt, um den Bedarf der weltweiten Likörgemeinschaft zu decken. Zu DDR-Zeiten wurden die besseren Lautergold-Liköre nur im Intershop gehandelt und die Abfüllmaschine für den berüchtigten Wismut-Schnaps muß auch keine Stillstandszeiten gekannt haben. So ändern sich die Zeiten, obwohl, 20 Beschäftigte soll die Firma noch zählen.

Firmenporträt der Lautergold Paul Schubert GmbH -http://lautergold.de
Jeder Schritt in Lauter ein Stück Geschichte

Woran denkt der heimatkundlich Interessierte, wenn er zum ersten Mal von Lauter hört?
Einige von Ihnen werden darauf verweisen, dass der Ort bereits 1159 durch die Ansiedlung fränkischer Bauern entstand.
Andere aber wissen, dass Lauter seinen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus einmal der früheren Oberligamannschaft „Empor Lauter" und zum anderen den bekannten Lautergolderzeugnissen verdankt.
Übereinstimmend werden aber die meisten Besucher der Kleinstadt zwischen Aue und Schwarzenberg spontan ausrufen: „Lauter? Da kommen doch die edlen Liköre her".
Deren Geschichte ist fast ebenso alt wie die des Ortes, denn der Betrieb hat seine Wurzeln in den ältesten Laborantenfamilien des Erzgebirges.
Laboranten an der Wiege des Unternehmens
Es waren königlich-sächsische Laboranten, die im Auftrag August des Starken, der von der Heilkraft der Kräuter und Wurzeln aus China hörte, nach einem Lebenselixier suchten, welches dem König ein langes Leben schenken sollte.
Im Jahre 1734 wurden sie sesshaft, um in einer Manufaktur erzgebirgische Heil- und Hausmittel herzustellen. Dieser alten Laborantenkunst ist die Firmengründung zu verdanken, und gleichzeitig Ursprung der heutigen Spirituosenherstellung, denn auch nach über 270 Jahren bekennt sich das Familienunternehmen noch zur Wurzel- und Kräuterkraft erzgebirgischer Waldwiesen sowie Fluren und baut nach wie vor darauf seine Produkte auf.
Diese traditionelle Herstellungsform sichert den Lautergold – Spirituosenspezialitäten mit der Qualitätsgarantie „Stammhaus seit 1734“ die anspruchsvollen Eigenschaften in Bekömmlichkeit und Wohlbefinden und Ihre Beliebtheit in der Verbindung mit unserer erzgebirgischen Heimat.

Kurz nach 10 Uhr standen wir in Aue an der Bergfreiheit. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Huthaus aus der Zeit des Zinnabbaues (ca. 1600 – 1800) am Fuße des Heidelberges. Wegen privater Probleme von Museumsangestellten war erst ab 11 Uhr ein Reinkommen in die heiligen Hallen. Wir nutzen die verbleibende Zeit zu einem kurzen Stadtrundgang. Das einzige anschauliche Gebäude in Aue war das Hotel „Blauer Engel“. Zu früheren Zeiten hat es „Der Gummistiefel“ geheißen und war eine runtergekommene Bude, wohl auch ein Hotel. Aue war seit jeher eine Industriestadt und der Einfluß der Wismut-Helden hat sich auch nicht positiv auf das Stadtbild ausgewirkt. Die Stadtchronik von http://www.aue.de merkt für 2005 an, dass im Mai im Erzgebirgsstadion die 11. Weltmeisterschaft für belgische Schäferhunde stattfanden. Die Schäferhunde werden wohl nichts von der Fußballmannschaft „Wismut Aue“ erfahren haben-, in der Stadtchronik ist ja auch nichts davon zu lesen. Die DDR-Mächtigen hatten schon einen eigenartigen Sinn für Geschichte, aber die heutige Elite von Aue scheint auch ein gespaltenes Geschichtsbewußtsein über die Zeiten gerettet zu haben.

Das Stadtmuseum ist sehr interessant und anschaulich gestaltet. Die Heimatstube, der Knappschaftssaal, die Bet- und Glockenstube und der Schaustollen bilden den Kern der Ausstellung. Der Knappschaftssaal darf auch für private Feiern genutzt werden-, ein sehr schönes Ambiente. In der Heimatstube kannte sich Karl gut aus. Das Foto beweist es. Der Hausrat ist uns noch aus Mutters Stube bekannt. Den Generationen nach uns wird manches schon sehr fremd vorkommen. Das beginnt bei der Handkaffeemühle und hört beim Stollenkasten gänzlich auf, dass die Nachgebohrenen noch einen sinnvollen Verwendungszweck für diese Gerätschaften sich erschließen könnten.

Eine Sonderausstellung zeigte Wahlplakate aus der Wendezeit, auffällig viele mit PDS-Logo.

Kurz nach 12 Uhr fuhren wir weiter nach Schlema in das Museum für Uranbergbau. Es ist im ehemaligen Kulturhaus „Aktivist“ der SDAG Wismut untergebracht. Aber vorher nahmen wir im „Füllort“ unser Mittagessen ein. Auf der Speisekarte standen u.a. „Fußlappen“, die dann auch so schmeckten. Die Gaststätte „Füllort“ ist schon sehenswert. Alte Grubentelefone, Wandzeitungen, Arbeitsschutzanweisungen und andere Besonderheiten aus Wismutzeiten hängen an den Wänden.

Das eigentliche Museum Uranerzbergbau wurde 1996 eröffnet. Schon die Eintrittskarte erinnert an alte Wismutzeiten: „09.00 Kranzniederlegung im Ehrenhain“, immer am 1. Samstag im Monat Juli. Die alten Genossen werden wohl im „Aktivist“ auch heute noch ab und an ein bisschen Wismut spielen. Die Wismut war immerhin der drittgrößte Uranproduzent der Welt, und dieses Museum soll diese Geschichte dokumentieren. Hauptsächlich werden die Lebensbedingungen der Kumpel aufgezeichnet. Aber auch Werkzeuge aus dem Bergbau, ein Stollennachbau, eine Mineralausstellung, Objekte der Grubenwehr und ein interessantes Video geben Einblick in die vergangenen 50 Jahre. Viele Sachen werden zwar etwas sozialistisch verklärt dargestellt, aber insgesamt fanden wir die Ausstellung sehr gelungen. Karl konnte sogar mit einem Original Geiger-Müller-Zähler die Strahlungsintensität eins Stückes Pechblende ausmessen. Solche Messgeräte hat der Lehrling Tippmann vor 40 Jahren während seiner Ausbildung repariert. Und noch eines hat den ehemaligen Lehrling beeindruckt: In der Ausstellung befand sich das Original der Uhr vom Gummibahnhof. Der Gummibahnhof war der zentrale Busan- und abfahrtsplatz in Niederschlema für das Bergbaugebiet Aue. Jeder Kumpel kam vor Schichtbeginn hier mit dem Bus an und fuhr nach Schichtende von hier wieder nach Hause. Nach dem Museumsbesuch fuhren wir nochmals zum alten Gummibahnhof. Viel ist von den alten Einrichtungen nicht mehr zu sehen. Das Dispatchergebäude steht noch. Und eine Spedition scheint sich dort auch angesiedelt zu haben. Danach wagten wir noch einen Rundgang zur alten Küche am Gummibahnhof und zur ehemaligen Betriebsberufschule. Für Karl war dies ja nicht so interessant, aber ich konnte mir die Gebäudenutzung, wie sie vor 40 Jahren während meiner Lehrausbildung üblich war, wieder lebhaft vorstellen. Heute befindet sich dort auch wieder ein Berufsausbildungszentrum des Landes Sachsen, ich glaube für das Dachdeckerhandwerk.

Und weil wir so tief in den Spuren der Wismut wandelten, fuhren wir auch noch nach Hartenstein zum Schacht 371. Dort ist die Zeit stehen geblieben. Sogar das alte Postenhaus ist noch Original in Betrieb, nur die Geiger-Zähler wurden ausgebaut. Ich zückte meine alten Wismutausweis und begehrte Einlass. Aber, es ist wie früher: Die alten Stempel waren ungültig und einen neueren Propusk wollten mir die erneuerten Genossen nicht ausstellen. So konnte ich nur erfahren, dass im alten Bergbaubetrieb noch Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Die Geheimhaltung war schon immer das Spitzenprodukt der Wismut und hatte Weltniveau. So auch heute. Ich wollte mir kürzlich bei der bekannten „Google Earth“ die Satellitenbilder von Schlema-Aue anschauen. Doch ich musste enttäuscht feststellen, dass die Aufnahmen alle unscharf gemacht und verfremdet wurden. So stellte sich mir die Frage, welche geheimen Kräfte die Hand hier lenkte. Es kann doch eigentlich nicht möglich sein, dass die alten Genossen ihren Geheimhaltungswahn immer noch aufrecht erhalten können. Aber warum sollte dies nicht möglich sein? Die Wismut als gewandeltes Untenehmen mit ihren Altkadern ist ja auch heute noch möglich.

Gegen 17 Uhr waren wir wieder zu Hause und Karl wollte sich noch als Brennmeister betätigen. Heute standen die geraden Audiofiles auf dem Programm. Es waren Märsche ...

       
Der Gummibahnhof um 1960                            Die Uhr vom Gummibahnhof
     
Die alte Küche am Gummibahnhof                    Karl Als Radiometrist
                        
                                    Kein Einlaß in Schacht 371 .......
    
..... trotz vorhandenen (alten) Wismutausweis
    

30. 3. 2006                                                                                                                                                                

Kunnerstein





Karl am Pranger



Beim Falkner von Augustusburg

Abstieg von der Augustusburg



Das Tietz

30. 3. 2006  - Donnerstag  - Augustusburg (12 km) 
 

Zum letzen Wandertag fuhren wir pünktlich 8 Uhr nach Erdmannsdorf. Wir parkten am Bahnhof und Ziel war die Augustusburg über Kunnersdorf und dem Kunnerstein. Teilweise an der Zschopau, aber größtenteils am Berghang entlang erreichen wir Kunnersdorf. Das idyllische Dörfchen lebte früher von Mahl- und Brettmühlen. Eine Holzbrücke überquert die Zschopau und ein schöner und anstrengender Wanderweg führt direkt zum Kunnerstein. Von hier hat man einen herrlichen Blick in das Zschopautal. Bänke und eine Schutzhütte laden zum Ausruhen ein. Für uns alte Männer war die auch notwendig. Am Kunnerstein laufen bestimmt des öfteren Grillpartys ab. Der verstreute Müll gab jedenfalls deutliche diesbezügliche Hinweise ab. Es ist auch ein ausnehmend schöner Ort für solche Festivitäten. Beschwerlich wird nur sein, die Spezialitäten zum Essen und Trinken auf den Kunnerstein zu transportieren. Sherpas oder Transportesel werden wohl nicht zu mieten sein.

Zur Augustusburg sind es vom Kunnerstein noch etwa 2 km, bei mäßigem Aufstieg. Der Weg führt vorbei am Franzosenfriedhof. Im Befreiungskrieg zogen die Franzosen hier wohl mehrfach durch und die Burg wurde als Lazarett genutzt. Die verstorbenen Soldaten wurden dann auf diesem Friedhof beigesetzt.

 Geschichte der Augustusberg   http://www.die-sehenswerten-drei.de/
1206 findet Schellenberg erstmals urkundliche Erwähnung. Die Burg Schellenberg war der Vorläufer der heutigen Augustusburg (Jagdschloss Augustusburg). 1528 und 1547 wurde die Burg Schellenberg Opfer von Bränden und war somit nur noch eine Ruine. 1568 wurde Hieronymus Lotter mit dem Bau der Augustusburg, die in nur 4 Jahren Bauzeit entstand, beauftragt, deren Zweck vor allem in der Nutzung als Jagd- und Lustschloss bestand. Im Juli 1899 erfolgte die Umbenennung der Stadt Schellenberg in Augustusburg. 1911 wurde die Drahtseilbahn errichtet, damit gewann die Stadt immer mehr an touristischer Bedeutung. Diese positive Entwicklung setzte sich über alle Jahrzehnte hin fort. Eine attraktive Gestaltung des Ortes wurde mit der Sanierung des denkmalgeschützten Innenstadtbereiches erreicht. Seit 1999 sind Erdmannsdorf, Grünberg, Hennersdorf und Kunnersdorf als Ortsteile der Stadt Augustusburg eingemeindet.
Das Renaissanceschloss Augustusburg bietet eine Vielzahl interessanter Museen: 

·         Motorradmuseum
die umfangreichste Zweiradsammlung Europas mit einer Vielzahl an Unikaten und international umfangreichster DKW- und MZ-Präsentation 

  • Kutschenmuseum
    Landauer, Privatcoach und Staatswagen beeindruckend präsentiert im ehemaligen Stallgebäude 
  • Museum für Jagdtier - und Vogelkunde
    120 Tiere in naturnah gestalteten Dioramen 
  • Ausstellung zur Schloss- und Jagdgeschichte
    rund um den einmaligen Venussaal 
  • Richter, Henker, Missetäter
    Gerichtsbarkeit aus vergangener Zeit im Schlosskerker 
  • Aussichtsturm mit Galerie
    Ausblicke bis zum Fichtelberg und Einblicke in die bildnerische Kunst 
  • Führung - Brunnenhaus und
    Schlosskirche sind die Highlights der einstündigen Führung 

Bevor wir die Burg erstiegen, schauten wir uns noch das Hotel an, indem wir in drei Wochen zur Hochzeit von Tina und Danny übernachten wollen. In der Burg kümmerten wir uns noch um den Auftritt des Hofmarschalls, der ebenfalls zur Hochzeit stattfinden sollte. Beim Burgrundgang trafen wir zufällig den Falkner, der seine Vögel gerade aus dem Winterquartier zum Sommerquartier auf die Augustusburg brachte. Die ersten Vorführungen waren zu Ostern geplant.

Der Abstieg nach Erdmannsdorf erfolgte auf dem Weg, der parallel zur Drahtseilbahn verläuft. Zwar wären wir lieber mit der Bahn zu Tal gefahren, diese war wegen Reparatur- und Umbauarbeiten leider nicht fahrbereit. Der Weg aber war auch nicht einladend „gehbereit“. Großteils war er noch stark mit dicken Eis belegt. Und Karl rutschte sodann auch weite Strecken nicht auf seinen Sommerschuhen, sonder auf dem nicht vorhandenen Arschleder talwärts. Am Auto angekommen sah er dann entsprechend ramponiert und mitgenommen aus. Ein langes Verweilen gab es aber nicht, wir wollten nachmittags ja noch in die Chemnitzer Innenstadt.

Nach einem kleinen Imbiß starteten wir gegen 14 Uhr mit dem Auto in Richtung Zentrum. Erster Zielpunkt war das Tietz.

http://www.dastietz.de/
DAS TIETZ, der neuen Kulturadresse im Herzen von Chemnitz ! Begegnungen und Aktionen, Wissen erleben, Kunst und Kultur genießen – mit allen Sinnen: das vereint DAS TIETZ. Lebendig und sinnlich, informativ und erholsam – In dieser Mischung ist DAS TIETZ ein Haus für alle Generationen.
Ins TIETZ ging man schon immer: Zum Einkaufen, zum Schauen, zum Bummeln, um Leute zu treffen, einen Kaffee zu trinken, ... Daran wird sich nichts ändern und doch wird alles anders sein. Noch nie präsentierte sich DAS TIETZ mit einer derart perfekten Symbiose zwischen Inhalt und baulicher Hülle. 

Das Tietz ist mit den Einrichtungen Stadtbibliothek, Volkshochschule, Museum für Naturkunde, Neue Sächsische Galerie, tietzCafé und einer Ladenpassage ein belebtes Haus, das ich Karl in den nächsten Jahren noch näher vorführen möchte. Diesmal hatten wir keine Zeit, da Karl für seinen „Neuenkel“ Jessica eine Roller kaufen wollte. Da im Kaufhof nichts im Angebot war, fuhren wir zur Sachsenallee. Im „Rabatz“ war die Rollerauswahl groß. Karl entschied sich für den altbewährten Holzroller. Vor dem Rollerkauf peilten wir jedoch erst den Bahnhof an. Dort ist immer noch seit der Wende ein Schallplattenhändler ansässig, der viele Platten- und Tonbandschätze aus grauen Vorzeiten bietet. Ich fand auch eine tolle Platte von Karl Valentin.

Zu Hause erwartet uns Ingrid mit leckerem Hackepeter- und Gewiegtesabendbrot. Und weil Karl seine Prüfung als Brennmeister der geraden und ungeraden Audiofiles glänzend bestand, wurde er zur Abschiedsfeier mit einem Kräuterbrand ausgezeichnet.

      
                                 Abschiedsfeier mit Auszeichnungsveranstaltung

31. 3. 2006                                                                                                                                                                

Probe für das Enkelkind

31. 3. 200- Freitag - Abreise

Und schon war es wieder vorbei. Nach dem Frühstück düste Karl nach Halle zum Rollerenkel und kam gegen 15 Uhr in Salzwedel an.

 
Der Berchmann aus dem Schachte kriecht, und blääckt: „Dr Sozialismus siecht!“

Dann auf ein Neues und GLÜCK AUF!