Vorbereitung
Am 24. Februar 2005 schickte ich den folgende Mail an Karl-Heinz nach Salzwedel:

Betreff: Gorl in Gamms

24.2.2005


Hallo Gorl,

  


"Gorl in Gamms" geht in die dritte Runde. Für dieses schon etwas ehrwürdige Treffen schlage ich folgende Termine vor:
             1. --- 4.4. - 8.4. 2005
             2. --- 11.4.- 15.4. 2005
Auch andere Termine sind angenehm.

Das Programm:

Montag: Freudige Begrüßung mit Rundgang durch den Harthwald und Blumenkauf für die Schwächern.

Dienstag. Von Wolkenstein nach Scharfenstein und zurück. Besuch der Burg Scharfenstein.

Mittwoch: Zinngrube Ehrenfriedersdorf (Führung beginnt 9 Uhr !!!). Danach: Wanderung um den Sauberg.

http://www.ferienland-erzgebirge.de/pages/ehrenfriedersdorf/zinngrube.htm



Donnerstag: Auf zum Ficker Ott, oder, der Grenzwälder ruft! (http://www.grenzwald.de/). Natürlich erwandern wir uns den Grenzwälder.

Freitag. Feierlicher Abschied mit Freddys "Lasset sie ohne säumen ...."

Glück Auf!  

 
rainer@rainer-tippmann.de -- http://www.rainer-tippmann.de/
Rainer Tippmann ; FAX / Fon (0371) 24 25 26 Am Harthwald 18 ; 09123 Chemnitz

 

 

4. 4. 2005                                                  

4. 4. 2005  - Montag - Anreise

Karl traf gegen 1230 Uhr in Chemnitz ein. Nach einem kleinen Imbiß begaben wir uns sofort auf die erste Wanderung. Der Rundweg begann im Stadtpark, führte am Zusammenfluß von Würschnitz und Zwönitz vorbei durch den Harthwald. Zurück ging es übers Kaufland mit frischen Fischsemmeln zum Abendbrot nach Hause. Wir legten den Zeitplan für die morgige Tageswanderung fest

   
5. 4. 2005                                                                                                                                                                   



Fertig zur Seilfahrt



uhm agetriehm

im Bohrwagen



die Bergziege

Perßluft-Dynamo-Lampe

vor Ort



Saubergexpress

5. 4. 2005  - Zinngrube Ehrenfriedersdorf/Greifensteine  (7 km)

Die Führung in der Zinnerzgrube sollte um 9 Uhr beginnen. So fuhren wir schon 7.45 Uhr in Richtung Ehrenfriedersdorf. Vor der Führung schauten wir uns das gesamte Gelände an, insbesondere den Förderturm von Schacht 2. Herr Schleife, unser sachkundiger Führer, holte uns pünktlich zum Rundgang ab. Bevor es richtig losgehen konnte, mussten wir uns natürlich in bergmännische Tracht werfen. Overal, Gummistiefel, Helm und Geleucht (Kopflampe) sind unbedingt notwendig. Das Anlegen der Fußlappen bereitete einige Schwierigkeiten, zumindest für den Ungeübten.
Der erste Gang führte in den Maschinenraum der Fördermaschine. Der Maschinist weihte uns in die Geheimnisse der Seilfahrt ein: "uhm a'getriehm!". Falls er die Förderkorbgeschwindigkeit nicht allmählich vor Ankunft an der Rasenbank drosselt, bringt er den Korb nicht rechtzeitig zum Stehen. Dieser keilt sich dann in der letzten, hoffentlich rettenden Holzverschalung fest, eben "oben angetrieben!". 
Vom Maschinenhaus liefen wir direkt zum Förderkorb und fuhren mit 4,5 m/s die geplanten 110 m tief in den Schacht. Hier merkten wir zum ersten Mal, warum wir Overal, Stiefel, Helm und Lampe dringend brauchten: das Wasser tropfte und es war stockdunkel. In wenigen Sekunden waren wir am hell erleuchteten Füllort. Hier kamen früher die leeren Hunte von oben und volle, mit Zinnerz gefüllte Hunte, traten die Reise ans Tageslicht an. Und für den Bergmann hieß es am Füllort nach getaner Schicht "Glück Auf!".
Am Besucherweg befinden sich mehrere geologische Aufschlüsse und Herr Schleife erklärte uns die Abbaumethoden und die Technik der Rollen. Interessant waren vor allem die Maschinen: der druckluftbetriebene Bohrwagen, der Überkopflader und die Bohrhämmer. Auch das Fahrtensteigen auf einen Überhauen stand auf dem Programm. Mit dem Saubergexpress legten wir eine Strecke von 1.5 km zurück. Durch den tiefen Saubergstollen wollten wir dann aber nicht mehr kriechen -, für alte Männer einfach zu anstrengend, für Kinder aber ein Vergnügen. Im Aufenthaltsraum Untertage, dem "Bunker", machten wir eine kurzen Rast. Leider hatte Herr Schleife den Schlüssel für die bestimmte Kiste, in der Schachtschnaps verwahrt sein sollte, vergessen. Die Bergziege und den Berggeist sahen wir trotzdem, auch ohne Akzisefreien. 
Pünktlich 12 Uhr fuhren wir wieder aus, gingen durch die Stiefelwäsche und zogen uns in der Kaue wieder um. Und da ein richtiger Bergmann nach der Schicht auch großen Hunger hat, gab es in der Kantine ein ordentliches Mittagessen und Stülpnerbräu. Danach besuchten wir noch das Mineralogiemuseum
Geschichte des Bergbaus im Greifensteingebiet
Im Gebiet von Geyer und Ehrenfriedersdorf gibt es Zinnlagerstätten verschiedenen Typs.
Der Granit vom Geyersberg ist in seinen obersten Bereichen (etwa 100 m) mehr oder weniger vollständig in Zwitter, ein körniges Gestein aus Quarz, Glimmer und Zinnstein, umgewandelt worden. Diese Umwandlung des Granits geschah von den Klüften des Gesteins aus, so dass dieses wie von einem dichten Netz zahlreicher geringmächtiger und eng beieinander liegender Zwittergänge durchzogen war. Diese enthielten also mehr Zinnstein als der Zwitter daneben. Im Durchschnitt lagen die Zinngehalte in der Gesteinsmasse weit unter 1 %, z.B. 1843 im Granit von Geyer bei 0,4 %.
Ähnliche Zwittergänge gab es gegenüber dem Geyersberg westlich des Tales im Gebiet der Mühlleite und im Granit der Greifensteine. Dort fanden die Bergleute zahlreiche geringmächtige Zinnerzgänge, besonders auch im Kontakthof, dem um den Granit liegenden, von der Granitschmelze veränderten Nebengestein.
Auch bei dem tief unter dem Sauberg liegenden Granit sind die obersten Bereiche in Zinnzwitter verwandelt worden. Der Glimmerschiefer über dem Sauberggranit wird von einem engmaschigen Netz geringmächtiger, meist West-ost-streichender Erzgänge mit Zinnstein, Wolframhit, Arsenkies, Molybdänglanz, Quarz, Topas, Fluorit, und anderen Mineralien durchsetzt. Untergeordnet zu diesen Zinnerzlagerstätten kommen bei Geyer (besonders am "Knochen", früher "Silbergebirge" westlich der Stadt) und Ehrenfriedersdorf noch Gänge mit Silbererzen vor. Nord-süd-streichende Gänge bei Ehrenfriedersdorf führen Schwefelkies, Zinkblende und Bleiglanz sowie Wismut-, Kobalt- und- Silbererze.

Und zu Ehrenfriedersdorf gehören natürlich die Greifensteine. Um 14 Uhr begaben wir uns auf eine Wanderung durch das Greifensteingebiet. Unser erstes Ziel waren die Greifensteine mit der Naturbühne. Die Bühne wird vom Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg bespielt. In diesem Jahr stehen z.B. "Der Vogelhändler" und "Schneewittchen" auf dem Spielplan. 
Leider war die Aussichtsplattform mit dem herrlichen Blick zum oberen Erzgebirge gesperrt. Die Stülpnerhöhle fanden wir auch, sie war leider auch nicht begehbar. 

Eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Obererzgebirges, der Geyersche Wald, lädt zu jeder Jahreszeit zu Wanderungen ein. Karl Stülpner der Volksheld des Erzgebirges, war ein Freund der Bauern und Häusler, lebte aber oft in Fehde mit der Obrigkeit. 
Zeitweise hielt er sich im Geyerschen Wald auf. Als Unterschlupf diente ihm u.a. die Höhle auf den Greifensteinen Die jetzige "Stülpnerhöhle" kann auf dieser Wanderung mit besucht werden


Weiter liefen wir zum Greifenbachstauweiher, im Sommer ein beliebtes Urlaubsgebiet. Im April ist es dort ziemlich ruhig, aber im Sommer herrscht Hochbetrieb am Strand.

Der Greifenbachstauweiher wurde vor 600 Jahren als Wasserspeicher für den Bergbau angelegt und ist somit einer der ältesten Stauseeen im Erzgebirge
Geographische Daten:
Höhe über NN     627 m      
Wasserfläche       ca. 23 ha
Tiefe                   max. 7 m
Wassermenge    638.000 m³


Zurück zum Auto führte uns die Wanderung entlang des 4,9 km langen Röhrgrabens. Der Graben wurde im 15. Jahrhundert künstlich angelegt, um das Wasser vom Greifenbachstauweiher zur Silbererzwäsche am Sauberg zu leiten. Der Weg führt am Greifensteinstollen vorbei, der mit dem Bergwerk am Sauberg verbunden ist. Es ist wohl ein alter Silberstollen, der zu DDR-Zeiten zum Zwecke der Zinnerzerkundung noch weiter aufgefahren wurde. Die Reste einer schon längst abgebauten älteren Kleinbahn findet man ebenfalls in der Nähe des Röhrgrabens. Das letzte Wegstück führte an der Sprungschanze vorbei und gegen 17 Uhr waren wir wieder zu Hause. 

     

     
                                                                      wieder Übertage (Stiefelwäsche)
     
Essen nach der Schicht                                    im Mineralogiemuseum
     
                                                                       Naturtheater Greifensteine
      
                                                                        Stülpnerhöhle
    
Am Greifensteinstollen                                    Sprungschanze

6. 4. 2005                                                                                                                                                                

am Wolkensteiner Bahnhof



in Zschopau



Der Stülpnerbrunnen

in Wilisch

Vortrag über Stülpner



Stülpners Sterbehaus



Gedenkstein für Stülpners Geburtshaus



Karl und Karl

6. 4. 2005  - Mittwoch  - Von Zschopau nach Wolkenstein (16 km) 
 

Heute nun sollte der Hauptwandertag des diesjährigen Treffens sein. So fuhren wir wieder vor 8 Uhr in Richtung Wolkenstein los. Um 830 Uhr trafen wir am dortigen Parkplatz ein. Wir liefen zur Burg hoch und dann den steilen Burgberg hinunter zum Bahnhof. Dieser sonst menschenwimmelnde Verkehrsknotenpunkt sah optisch nicht mehr so aus, als ob überhaupt noch Züge das Bahnhofsgebäude als Haltepunkt benutzen würden. Aber pünktlich 902 Uhr traf die Erzgebirgsbahn aus Vejperty (Abfahrt dort 807 Uhr) ein. Wir konnten uns zwar nicht vorstellen, wer aus Tschechien nach Wolkenstein fahren sollte, aber einige Leute saßen im Zug. Die Erzgebirgsbahn fährt regelmäßig täglich alle 2 - 3 Stunden zwischen Vejperty und Chemnitz in beiden Richtungen (Fahrdauer etwa 2 Stunden). Gut besetzt war der Zug nicht, aber von irgend woher müssen die Gelder zur Unterhaltung der Fahrstrecke ja fließen. Nach 16 Minuten Fahrzeit entstiegen wir der Erzgebirgsbahn in Zschopau. Unsere Wanderweg sollte entlang der Zschopau zurück nach Wolkenstein führen. 
Die Zschopau (sorb.; "die Rauschende, Tosende") ist ein linker Nebenfluss der Freiberger Mulde in Sachsen. Sie entspringt im mittleren Erzgebirge am Nordhang des Fichtelberges in einer Höhe von 1125 m und verläuft zunächst parallel zur Großen Mittweida in nördlicher Richtung. Die Zschopau bildet die Grenze zwischen dem westlichen gelegenen Forstrevier Crottendorf und den östlichen Revieren Oberwiesenthal und Neudorf.
Sie fließt durch die Stadt Schlettau, wo die Rote Pfütze einmündet. Die Zschopau nimmt weiterhin die Wasser des Pöhlbaches und der Preßnitz auf. An ihrem weiteren Verlauf liegen die Städte Wolkenstein, Scharfenstein, Zschopau, Flöha, Frankenberg (Sachsen) und Mittweida. In der Talsperre Kriebstein wird die Zschopau gestaut. Sie fließt weiter durch die Stadt Waldheim und mündet schließlich bei dem Dörfchen Pischwitz westlich von Döbeln nach 128 km in die Freiberger Mulde

Der Bahnhof von Zschopau liegt am Stadtrand. Wir mussten erst die Innenstadt erlaufen und den Fluß überqueren, um den Wanderweg in Richtung Scharfenstein zu erreichen. Nun geht es immer schön gemütlich an der Zschopau entlang. Nach etwa 30 Minuten Wanderung erreicht man schon den Stülpnerbrunnen, der vom Erzgebirgsverein 1928 errichtet wurde. Etwas später sind wir im Wilischtal. Der Wilischbach kommt aus Richtung Ehrenfriedersdorf. Und Wilisch, mit seinen wenigen Häusern und einer Bahnstation, ist ein Ortsteil von Zschopau. In Wilisch queren wir die Zschopau wieder. Der Wanderweg führt nun auf hohen Pfaden nach Scharfenstein. Jetzt sieht man die Zschopau nur noch als schmalen Wasserstreifen aus luftiger Höhe. Im Wald trafen wir noch einen verstreuten Autopfleger. Er kam gerade aus der Waschanlage und wollte ein Auto wachsen. Man trifft schon tolle Typen im Erzgebirge .........
Gegen 11 Uhr trafen wir in Scharfenstein ein. Beim Abstieg in den Ort fragten wir einen Häusler nach dem Geburtshaus von Karl Stülpner. Er lud uns sogleich in sein Anwesen und gab sachkundigen Vortrag über Leben und Wirken des erzgebirgigen Rebellen. Wobei wieder einmal bewiesen wurde, dass es im Erzgebirge nur nette und hilfsbereite Menschen gibt.

Karl Stülpner wurde am 20. September 1762 in Scharfenstein geboren. Er kam als achtes Kind seiner Eltern Johann Christoph Stülpner (geb. 6.4.1720 in Krumhermersdorf) und Marie Sophia Stülpner (geb. Schubarth, 27.9.1718 in Scharfenstein) zur Welt. Von Kindesbeinen an spürte er das Leiden der Menschen im Erzgebirge. Oft herrschte große Not, vor allem nach Kriegen. Einer Hungersnot muss wahrscheinlich auch sein Vater zum Opfer gefallen sein. Am 22. August des Jahres 1774 wurde das Stülpnerhaus in Scharfenstein an einem Herren Herbach versteigert. Als 16jähriger nimmt er als Trossknecht an den Bayrischen Erbfolgekrieg teil. 1779 wird Stülpner "freiwillig" zum Regiment "Prinz Maximilian" angeworben. Im Jahre 1784 wird Karl Stülpner nach Zschopau zu den Grenadieren versetzt und wenig später das erste mal beim Wildern erwischt. Beim Rückmarsch von einem Manöver an der Elbe desertiert er am 3. Juli 1785 und beginnt seine große Wanderzeit. Sie führt ihn nach Böhmen, Ungarn, Wien, Schweiz, nach Baden, Hessen und Hannover, wo er in ein Dragonerregiment eintritt. Auch hier desertiert er und kehrt zurück nach Scharfenstein, wo er aber nicht lange bleiben kann. Auf der Flucht zieht es ihn wieder nach Böhmen und Bayern. In Bayreuth wird er von preußischen Werbern "angeworben" und ist nun Soldat des Regiments "Prinz Heinrich" in Spandau. 1793 nimmt er an den Interventionskrieg gegen Frankreich teil. Im November des gleichen Jahres wird er in der Nähe von Kaiserslautern verwundet und kehrt nach Scharfenstein zurück. Jetzt beginnt "Das große Treiben des Wildschützen". 
Was in den nächsten Jahren über den Wildschütz berichtet wird, ob es Wahrheit ist oder nicht, einiges will ich kurz erklären. Aus den Unterlagen ist zu entnehmen, daß am 8. Oktober 1795 eine Verordnung zur Verhaftung Stülpner's vorliegt. Daraufhin belagert er am 12. und 13. Oktober 1795 die Burg Scharfenstein. Angeblich soll er sie ganz allein belagert haben, was aber aus meiner Sicht eigentlich unmöglich erscheint. In der nächsten Zeit werden wiederholt Verordnungen zur Verhaftung Stülpner's ausgestellt. 
In dieser Zeit verliebte er sich in Johanne Christiane Wolf. Sie wurde am 12. April 1777 als Tochter des Scharfensteiner Ortsrichters Wolf geboren. Ihr Vater war strikt gegen diese Verbindung und so wurde am 26.2.1796 im Totenregister von Großolbersdorf ein totgeborener Sohn der Johanne Christiane Wolf erwähnt. Der Vater Stülpner? Sicher ist aber, daß am 11. Juli 1799 Hanne Eleonora, Tochter von Johanne Christiane Wolf unehrlich geboren wurde. Sie stirbt am 12. Januar 1806. 
Am 11. September 1800 kehrt er zum Regiment nach Chemnitz zurück und nimmt an der Schlacht bei Jena teil. Hier flieht er am 14.10.1806 aus Gefangenschaft und kehrt zurück nach Chemnitz. Im Mai 1807 desertiert er nach Böhmen, wohin ihn Johanne Christiane Wolf in bald folgt. Wahrscheinlich haben sie hier geheiratet, denn in den weiteren Aufzeichnungen erscheint sie als die Stülpnerin. Am 3. September 1807 stirbt seine Mutter, 89jährig. 1812 veröffentlicht in den "Freiberger gemeinnützigen Nachrichten" Friedrich von Sydow einen Artikel über "Carl Stülpner, ein berüchtigter Wildschütz im sächsischen Erzgebirge". 1813 kehrt er aus Böhmen zurück. 
Am 22. Juli kauft die Stülpnerin (Johanne Christiane Wolf) ein Haus in Großolbersdorf. Sie bringt am 24.11.1816 eine Tochter, Christiane Concordia, zur Welt. Sie stirbt am 7.12.1816. 1820 kehrt Stülpner nach Böhmen zurück, wo am 31. Mai des gleichen Jahres seine erste Ehefrau Johanne Christiane in Preßnitz stirbt. Am 24. April 1821 wird Carl Friedrich, als Sohn von Maria Anna Veronika Wenzora unehrlich geboren. Stülpner ist der Vater. Maria Anna Veronika Wenzora (geb. am 17.6.1793 in Preßnitz) und Karl Stülpner heiraten am 11.8.1823. Als Stülpner abwesend ist, wahrscheinlich in Sachsen, kommt am 20.8.1828 Sohn Johann zur Welt. Im selben Jahr erkrankt Stülpner am Grauen Star. 
1832 erscheint das erste Stülpnerbuch "Der berüchtigte Wildschütz des sächsischen Erzgebirges Carl Stülpner. Ein biographisches Gemälde, der Wahrheit treu angelegt und mit romantischen Farben ausgemahlt." Von Friedrich von Sydow. Wie der Titel schon sagt, in "romantischen Farben" ausgelegt. Carl Heinrich von Schönberg bringt 1835 "Carl Stülpner's merkwürdige Leben und Abenteuer" heraus. Sie wird am 20. August 1835 durch Hohe Ministerialverordnung verboten und beschlagnahmt. 
Am 5. Oktober 1839 bricht Stülpner bei Lauta zusammen und wird nach Scharfenstein gebracht, wo 2 Tage später in einer Versammlung des Gemeinderates über die Versorgung des alten Stülpner's beraten wurde. Im Altar von 79 Jahren stirbt er am 24. September 1841 in Scharfenstein. Karl Stülpner wurde in Großolbersdorf am 27.9. begraben.( Siehe: http://www.mek-erzgebirge.de/orte/stuelpner.html)


Und noch viel mehr hat uns der Stülpnerkenner aus Scharfenstein verraten: Er, Stülpner, war der erste Terrorist (ging mit Waffengewalt gegen die Obrigkeit vor) und der erste Sozialfall (er wurde in der Gemeinde von Haus zu Haus bis zu seinem Tode weitergereicht und versorgt). Soweit hat es Hartz IV noch nicht gebracht, aber eine Anregung für die heutigen Volksverdummer, die sich Politiker nennen dürfen, wäre es schon.
Nach dieser lehrreichen Einführung suchten wir das Geburts- und Sterbehaus von Karl Stülpner in Scharfenstein. Das Geburtshaus ist nicht mehr vorhanden. Ein Gedenkstein erinnert noch daran. Und das Sterbehaus steht aus privater Hand zum Verkauf. 
Nun stiegen wir zur Burg Scharfenstein auf. Auf einer Bank vor der Burg nahmen wir unsere Wandermahlzeit ein. Dann ging es in das Burgmuseum. Unser Führer war natürlich Karl Stülpner in Originaltracht und mit stummer Büchse. Hier erfuhren wir alles über die Geschichte der Burg und Karl Stülpner. Der Burgrundgang war große Klasse und wir bedankten uns beim Karl für die informative und witzige Führung durch die Jahrhunderte.
Nach der Führung bestiegen wir noch den Burgfried. Hier bietet sich ein herrlicher Blick in das Zschopautal.

Übrigens: Im Museum läuft als Video der DEFA-Film "Die Falle" mit Manfred Krug in der Hauptrolle. Die Rechte für diesen Film hat Manne Krug nach der Wende gekauft. Über einen Bewegungssensor im Museum wird der codierte DVD-Player zugeschaltet der den Film startet und gleichzeitig eine Zähler aktiviert, der die Taschen von Herrn Krug mit Geld füllt. So wird halt immer und überall Geld verdient. Nur Stülpner musste arm sterben ........
In diesem Streifen tragt Manfred Krug eine üppige schwarze Haarpracht. Unser Burgführer Stülpner war sich nicht sicher, ob es Mannes echte Haare waren. Eines Tages erschien der Schauspieler Armin Müller-Stahl zur Burgbesichtigung. Und er gab zu Protokoll, dass Krug fast immer im Film mit künstlichen Haaren agierte, so auch hier. Damit wäre wieder eine wichtige historische Frage geklärt.


Abschließend besuchten wir im Burggelände noch den Stülpnermarkt und begaben uns gegen 14 Uhr wieder auf Wanderschaft. Jetzt liefen wir im Tal wieder direkt an der Zschopau entlang bis Hopfgarten. Von dort führt ein Steiler Aufstieg und danach ein steiler Abstieg ins Heidelbachtal. Da musste die Altmännerpumpe ganz schön vibrieren. Eine in Blüte stehende Krokuswiese verhalf uns zu einer angenehmen Pause.
Nach Verlassen des Heidelbachtales und Überqueren der Fernverkehrsstraße 101 mußten wir die Zschopau nochmals überbrücken, um in die Wolkensteiner Schweiz zu gelangen. Nun sind es nur noch 1,5 km bis Wolkenstein. Genau 1630 Uhr kamen wir leicht fußlahm am Parkplatz an. Nach einer kurzen Verschnaufpause stand der letzte Punkt der heutigen Tagesordnung auf dem Plan: Die Örtlichkeit des Einflusses der Sammelwasser des Zinnschachtes am Sauberg (unserer gestrigen Bergführung) in den Wilischbach in Ehrenfriedersdorf. Unser Grubenführer, Herr Schleife, beschrieb uns die Einleitstelle ungefähr in der Ortslage von Ehrenfriedersdorf. Diese sollte in der Nähe der Tankstelle sein. Schon am Vortag suchten wir den Ort vergeblich. Heute nun musste es gelingen. Wir standen auch schon fast an der richtigen Stelle, mussten aber trotzdem wieder einen hilfsbereiten Erzgebirgler um Rat fragen. Und schon war das Problem gelöst. Das Wasser vom Sauberg wird unterirdisch bis zu dieser Einleitung geführt. Über nähere Umstände konnten wir bis jetzt noch nichts in Erfahrung bringen. Aber es sollen in Zukunft noch weitere "Gorl in Gamms" - Treffen sich ja ereignen ....
        
Burg Scharfenstein
     
Karl und Karl und Rain                                    Bücher zum Thema Stülpner
    
Blick auf Scharfenstein                                    Krokusse in Hopfgarten
                      
Endspurt ...........                                               und Zieleinlauf
    
                              das Wasser vom Sauberg fließt in die Wilisch
   

7.4.2005                                                                                                                                                                             

 die Orgelpfeifen



 auf dem Scheibenberg

  der Turm war geschlossen





 Abstieg vom Scheibenberg

 beim Ficker Ott

 die Flaschenspülmaschine 

 der alte Schnapsbrenner

7. 4. 2005  - Donnerstag - Scheibenberg/Grenzwalddestillation

 

Im vergangenen Jahr beschäftigten uns die Butterfässer am Pöhlberg. Heute nun nahmen wir uns die Orgelpfeifen des Scheibenberges vor. Um 8 Uhr fuhren wir ins Erzgebirge und gegen 9 Uhr bestaunten wir schon die Orgelpfeifen. Wir parkten am Fuße des Scheibenberges und nach 15 Minuten Fußmarsch ist das Ziel erreicht. 

Die sechskantigen Basaltsäulen des Scheibenberges ruhen auf Sandschichten, stehen senkrecht nebeneinander und der Volksmund nannte sie Orgelpfeifen. Sie wurden durch Aufarbeiten eines Steinbruches freigelegt. Der Scheibenberg steht seit 1935 unter Naturschutz. Der Basalt ist ein Ergussgestein vulkanischen Ursprungs. Die Orgelpfeifen des Scheibenberges waren einst ein glutheißer Lavastrom, der starke Sandschichten eines Flusstales unter sich begrub und zu Säulen erstarrte. Keiner war dabei, aber die Akademiker der Bergakademie Freiberg streiten seit 1788 über Herkunft und Entstehung und haben die Sache in diesem Sinne so beschlossen
Basalt ist ein feinkörniges basisches Gestein, vulkanischer Herkunft aus der Tertiär-, Diluvial- und Alluvialperiode, im wesentlichen aus SiO2 (50%), Al2O3 (16%), FeO (12%), MgO (7%), CaO (9%), Na2O (3%) und K2O (1%) bestehend. - Alles klar?


Manchmal, so berichten Ortsansässige, stürzt eine Pfeife mit Getöse aus der Wand. So liegen einige große Brocken im Tal zur Begutachtung herum. Kurzer Fototermin, dann ging es weiter zur Kanzel, ein schöner Ausblick ins Erzgebirge. 
Für die Ersteigung des Scheibenberges wählten wir natürlich ein Pfad abseits von allen Wanderwegen. Zwischen Basaltbrocken ging es steil nach oben. Nach mehreren Zwangspausen standen wir um 10 Uhr vor dem Aussichtsturm auf dem Scheibenberg. Obwohl die Öffnungszeiten eine Turmöffnung versprachen, waren Tür und Fenster fest verrammelt. Karl vertrieb sich noch die Zeit mit Schneeschaufeln, aber es half alles nichts, wir mussten ohne Erzgebirgsrundumblick vom Aussichtsturm den Abstieg wagen. Über den Ottomar-Zahm-Steig fanden wir den Weg ins Tal zurück. Ottomar Zahm (1873-1955) legte in den Jahren 1931 bis 34 als Arbeitsloser den nach ihm benannten Aufstieg zum Scheibenberg an. Über 300 Steinstufen rammte er in den Berg. Ein sehr komfortabler und gemütlicher Stieg.
Um 10:30 Uhr waren wir wieder am Parkplatz und fuhren nach Crottendorf zum Ficker Ott, Destillation "Grenzwald". Eine kleine Wanderung unternahmen wir aber noch durch den Ort, bis wir endlich vor dem Crottendorfer Schapsmuseum standen. 
Grenzwald-Destillation Otto Ficker GmbH
Im Jahre 1882 wurde unser heutiges Stammhaus an der Rathenaustraße 59c von einem Herrn Emil Möckel gekauft, welcher darin eine "Herstellung von Likören und Branntweinen" sowie einen Weinhandel eröffnete.
Bis zum Jahre 1933 führte dieser seine Geschäfte.
Am 20.10.1933 erwarb Herr Otto Ficker Geschäft und Grundstück. Er hatte von 1911 bis 1915 bei der Firma Facius in Annaberg die Herstellung von Likören und Branntweinen erlernt.
Gebäude wie auch Produktion waren stark erneuerungsbedürftig, doch die geringe finanzielle Ausstattung und die damaligen Verhältnisse ließen dies nicht zu.
Mit Beginn des zweiten Weltkrieges kam die Produktion zum Erliegen. Nach 1945 begann ein langsamer Neuanfang.
Ab 1946 gab es erstmals geringe Zuteilungen.
Aber erst nach der Währungsreform 1948 kam eine Produktion in Gange.
1949 stieg dann der Sohn des Otto Ficker, Fritz Ficker, Absolvent der Wirtschaftsoberschule Chemnitz, mit in das Geschäft ein. 
Er besuchte die damalige Destillateur-Fachschule in Hirschberg an der Saale und das Institut für Gärungsgewerbe in Berlin.
Anfang der fünfziger Jahre ging es zunächst etwas aufwärts. 
Doch bereits wenige Jahre später kamen die ersten Schwierigkeiten. Durch die Rohstoffzuteilung konnten wir leider nicht annähernd die nachgefragte Menge herstellen.
Alles, was laut staatlichen Vorgaben ab April 1953 noch produziert werden durfte, ging an die staatlichen Großhandelsgesellschaften.
Diese bestimmten die zu liefernden Produktsorten und -mengen, sehr zum Leidwesen des Einzelhandels, der nicht mehr direkt von uns beliefert werden durfte.
Als "kleiner Handwerksbetrieb" existierte unsere Firma trotz aller Schwierigkeiten bis zur politischen Wende 1989. (http://www.grenzwald.de/)



An den kleinen Verkaufsladen mit Probiertheke sind 6 Museumsräume angeschlossen. Von der Flaschenspülmaschine, über Destillationsvorrichtungen, Abfüllmaschinen, Beleimungsmaschinen, Obstpressen und vielen anderen Sonderbarkeiten kann man alles sehen, was der Schnapsbrenner so zur Herstellung und Vertrieb seiner Ware benötigt. Der gesamte Prozeß ist auch sehr informativ durch Schautafeln verdeutlicht. Und nach der Theorie rief sogleich die Praxis: Die Verkostung. Das standen etwa 20 Flaschen Grenzwälder aller Geschmacksrichtungen vor uns und wir mussten darauf achten, den Laden im Vollbesitz unserer Geistlichkeiten wieder zu verlassen. Die freundliche Einschenkerin wollte keine Sorte auslassen, wir wussten aber um die Grenzen unserer Verträglichkeit. Ein Probelikörchen nahmen wir mit nach Hause.
Nach kurzer Bratwurststärkung beim Crottendorfer Fleischer, lenkten wir das Auto heimwärts. In Schönfeld hielten wir noch wegen eines Fototermines an der "Kunstgewerbe und Digedag-Werkstatt". Ein Foto mit den Holzfiguren von Did Dag und Digedag (Hannes Hegen) war dringend geboten, zumal wir schön öfters an der Werkstatt vorbei fuhren.
Gegen 14:30 Uhr waren wir wieder zu Hause. Es folgte noch eine Kleine Wanderung ins Vita-Center. Karl suchte wieder 2,5er Musik, wie sein Mädel diese Stilepoche bezeichnet.
Abends kamen Tina und Danny. Sie erzählten von ihrer Reise nach Kroaten und wir von unseren Wanderungen durchs Erzgebirge. Und dazu tranken wir Grenzwälder, was nebenher zu einer schönen Abschiedsfeier beitrug.                    

    
 die Zutaten                                                     Otto Ficker
     
                                              im Laden des Museums
    

    
                                                                       bei den Digedags
     
                                                       Abschlußfeier
    

8. 4.  2004                                                                                                                                                                             

Abschied

8. 4. 2004  - Freitag - Abreise

Heute nun soll der Tag des großen Abschiedes sein. Nach Frühstück und Packen war Karl um 8.30 Uhr abfahrbereit nach Hause. Vorher erklang auf dem Parkplatz unser "Lasset sie ohne säumen...". Die Nachbarschaft nahm gut gelaunt davon Kenntnis .....
Nach einem Zwischenstop beim bösen Ladewig in Halle, kam 15 Uhr die Meldung: Gorl in Salzwedel. Gorl in Gamms war wieder Geschichte.

 
Der Berchmann aus dem Schachte kriecht, und blääckt: „Dr Sozialismus siecht!“

Dann auf ein Neues und GLÜCK AUF!