Vorbereitung
Am 14. März 2004 schickte ich den folgende Mail an Karl-Heinz nach Salzwedel:

Betreff: Garl in Gamms

Hallo Gorl,

Für die diesjährige Vorstellung schlage ich zwei Termine vor:

1. --- 29.3 bis 2.4.2004
             oder
2. --- 19.4.bis 23.4.2004
(auch andere Termine sind angenehm)

Das Programm:

Montag : Freudige Begrüßung mit Wanderung durch Harthwald und Stadtpark

 
Dienstag  : Wolkenstein ----> Wanderung durch das Heidelbachtal ; Besuch der Firma Ullmann

 
Mittwoch : Von Neuendorf zum Fichtelberg ; Besuch einer anderen Firma

 
Donnerstag : Im Steinkohlenrevier Lugau/Oelsnitz ; Bergbaumuseum


Freitag : Abschied unter Tränen und Singen " ... lasset sie ohne säumen" ; Karls Erhebung in den Altenstand

Glück Auf! 

-- 
rainer@rainer-tippmann.de -- http://www.rainer-tippmann.de/
Rainer Tippmann ; FAX / Fon (0371) 24 25 26 Am Harthwald 18 ; 09123 Chemnitz

 

 

29.3.2004                                                  

Begrüßung

29. 3. 2004  - Montag - Anreise

Gegen 1300 Uhr kam Gorl in Gamms am Harthwald 18 an. Nach einem Bockwurstimbiss mit Kuchen begann die Einstimmungswanderung durch den Harthwald zum ProMarkt in Altchemnitz. Die erste Vorauswahl zum Kauf eines DVD-Players sollte getroffen werden. Danach wurde der Zusammenfluss von Würschnitz und Zwönitz zu Chemnitz gesucht und gefunden. Karl brauchte einige Zeit, bis er das Wort „Würschnitz“ in einem einigermaßen verständlichen sächsisch zwischen seinen altmärkischen Zähnen hervorquälte. Gegen 1500 Uhr wanderten wir weiter in Richtung „Kaufland“ -, natürlich durch den Harthwald. Dort wurden das Fischabendbrot und die Blumen für Schwägerin Ingi besorgt.

  
   im Harthwald                                                       stürmische Begrüßung
30.3.2004                                                                                                                                                                   

Beginn in Wolkenstein

Wolkensteiner Schweiz

Kellerlochfelsen



Trinkhalle Warmbad





Burg Wolkenstein



Krokuswiesen Drehbach







Mittag in Drehbach





30. 3. 2004  - Wolkenstein, Drehbach und Lauterbach (12 km)

Wir fuhren pünktlich 800 Uhr nach Wolkenstein, so dass wir um 850 Uhr mit unserer Wanderung beginnen konnten. Zuerst ging es zum schönen Aussichtspunkt der „Wolkensteiner Schweiz“. Das Wetter war schön und der Blick zum Heidelbachtal noch schöner. Wir liefen dann nach Warmbad zum Floßplatz. Dort führte dann ein steiler Aufstieg zum „Kellerlochfelsen“. Die Mühen des Aufstieges wurden wieder durch den wunderschönen Ausblick belohnt. Nach einer Rast auf einer Sonnenbank am Felsen wanderten wir weiter zum Kurheim der Knappschaft in Warmbad. Im Quellhaus tranken wir vom wohlschmeckenden Quellwasser und traten gegen 1220 Uhr den Rückweg nach Wolkenstein an. Dort gönnten wir uns wieder einen schönen Ausblick, nämlich den von der Burg Wolkenstein auf den Bahnhof. Selbst die Gleise der längst stillgelegten Schmalspurbahn Wolkenstein – Crottendorf waren noch sichtbar.
 http://www.drehbach.de/   http://www.grossolbersdorf.de/    http://www.lauterbacher-tropfen.de/

Danach fuhren wir nach Drebach  um die Nackten Jungfern zu bestaunen. Bevor wir die Krokuswiesen abliefen, nahmen wir erst einen Sitzimbiss mit Bockwurst und Pflaumenkuchen auf den Wiesen (auf den Wiesen gab es natürlich auch Bier!) ein. Die ausschließlich wilden lila Krokusse blühen in der gesamten Ortslage an sonnigen Hängen. Sie schmückten hübsch das kleine Dorf -, aber leider nur für wenige Tage im Jahr. Und weil es Karl so gut gefiel, wollte er auch noch die Toilette am Krokuswiesenparkplatz ausprobieren. Nach einer längeren Erörterung der Örtlichkeit fuhren wir 1330 Uhr weiter nach Lauterbach in die Likörfabrik Ullmann. Auf dem Wege dorthin besuchten wir in Großolbersdorf das Grab von Karl Stülpner. Karl wollte doch wissen, woher der Stülpnertrunk seinen Namen hat

Karl Stülpner der berühmt-berüchtigte Wildschütz aus dem Erzgebirge faszinierte und beängstigte schon zu Lebzeiten seine Zeitgenossen.
Dabei beschränkte sich die Bewunderung meist auf die armen Erzgebirgler, welche aus seine Taten und Erzählungen Mut, Lebenskraft und Abwechslung für ihren harten Alltagskampf schöpften. Die Beängstigung, welche durchaus von seiner Person ausging, beschränkte sich vornehmlich auf die Herrschaft seiner Zeit. Forst- und Staatsbeamten, Lehnherren, Vorgesetzte des Militärs, ... mussten sich durch diesen Freidenker ihrer Zeit in ihrer Machtausübung arg gestört sehen.

Seit 1910 werden in unserem Haus in dritter Generation Kräuterschnäpse, Branntweine u. verschiedene Liköre hergestellt. Zur Zeit arbeiten bei uns 13 Beschäftigten, davon sind sieben Familienangehörige. 1899 wurde an der Dorfstrasse das Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet. Es wurde Holzhandel, eine Schankwirtschaft und auch Landwirtschaft betrieben. Ca. 1910 begann die Produktion von Spirituosen. Damit wurde die Grundlage zur Herstellung des „Lauterbacher Tropfen" gelegt, dessen Rezept wie ein Augapfel gehütet wird. Da die Nutzung von Naturkräutern in der Familie durch den Großvater von Ernst Friedrich Ullmann jun . (Erfinder des „Lauterbacher-Tropfen“) - der Schmiedfritzaugust- ein im Erzgebirge sehr bekannter Kräutermann, der zur Heilung aller möglichen Gebrechen sogar an den sächsischen Hof gerufen wurde, eine lange Tradition hat, war die Erfindung des „Lauterbacher-Tropfen“ eine Fortsetzung der Familientradition. Bis heute setzt unser Familienunternehmen auf die Wurzel- und Kräuterkraft der Natur. Auszüge und Destillate für die Produkte werden ausschließlich aus Heilkräutern, Wurzeln oder auch Fruchtsäften nach alter Familienrezeptur hergestellt.

Der Seniorchef der Firma, Herr Ullmann, erzählte uns von der Firmengründung durch seinen Großvater bis zu Begebenheiten aus der nahen Gegenwart viele interessante Einzelheiten. Nur das Rezept vom berühmten „Lauterbacher-Tropfen“ wollte er uns nicht verraten. Karl bekam feuchte Augen, als er die vielen Kräutersorten so greifbar nahe ( zum Öffnen) im Regal stehen sah .... So schwer ihm die Trennung vom netten Herrn Ullmann auch fiel, wir mussten weiter – nach Annaberg auf den Pöhlberg.

Etwa um 1500 Uhr standen wir auf dem Aussichtsturm des Pöhlberges und konnten zwar noch den Bärenstein erkennen, aber der Fichtelberg war im Dunstschleier nur schwer auszumachen. An den „Butterfässern“ hielten wir noch kurz zum Fototermin, dann begann die Rückfahrt nach Chemnitz.

Der Pöhlberg ist der eigentliche "Hausberg" Annabergs. Mit einer Höhe von 832 Metern über NN ist er einer der höheren Basaltberge im Oberen Erzgebirge. Auf seinem Plateau erhebt sich ein Aussichtsturm, der 1897 eingeweiht wurde. Da sowohl der Turm als auch das Hotel Mitte der 90er Jahre restauriert wurden, erfüllen sie heute alle nur gestellten Anforderungen. Vom Berg aus bietet sich ein herrlicher Rundblick über das Gebirge,
auf die umliegenden Dörfer Schönfeld, Königswalde und Mildenau sowie zum Kamm des Erzgebirges mit Fichtel-  und Keilberg. 

Die sogenannten Butterfässer an der Pöhlbergauffahrt sind ein imposantes Gebilde aus Basalt und zeugen von der erdgeschichtlichen Entwicklung und der Entstehung des Gebirges. Massive Heckenraine an der Ostseite des Berges weisen eine Terrassenstruktur auf und sind in dieser Form im Gebirge einmalig. Eine Besonderheit ist ihnen allen gemeinsam. Sie sind vulkanischen Ursprungs und zeigen in gewaltigen freiliegenden Basaltwänden interessante Formationen, die beim Scheibenberg 'Orgelpfeifen' und beim Pöhlberg 'Butterfässer' genannt werden.

Abends wurde noch Karls mitgebrachtes und wohlschmeckendes Zungenragout verspeist und einige alte Vinylplatten digitalisiert.

   
                              in Großolbersdorf am Stülpnergrab
                         

    
        Likörfabrik Ullmann  
   

  
   der Seniorchef                                                   Karl kauft ein
  
                                         in Annaberg auf dem Pöhlberg
  
                                                         Butterfässer
  
                                                        Nach Hause

31.3.2004                                                                                                                                                                

Likörfabrik Sonntag





Bahnhof Vierenstraße





Fahrt zum Fichtelberg





Viele halbe Kilo


Mit der Schwebebahn ...

.. auf den Fichtelberg

Mittag



Abstieg vom Fichtelberg



31. 3. 2004  - Mittwoch  - Neudorf-Fichtelberg (14 km) 
 

Um 930 Uhr standen wir vor der Likörfabrik „Sonntag“ in Neudorf. Bei der Besichtigung mussten wir uns sehr beeilen, da ja die Schmalspurbahn nach Oberwiesenthal 958 Uhr ab Bahnhof Vierenstraße fuhr. Eine Frau aus der Familie Sonntag zeigte uns die Schätze der Likörfabrik. Am Bahnhof warteten noch andere Wanderfreunde, die den Rückweg vom Fichtelberg wohl auch zu Fuß erledigen wollten. Die Fahrt durch das idyllische Sehmatal führt haarscharf an der tschechischen Grenze bis zum Fuße des Fichtelberges. In der Bahnhofshalle stand noch ein uralter Wiegeautomat, der das Gewicht in „halben Kilos“ (wir Alten können dies ja noch pfundig deuten) auf einen Pappkärtchen ausdruckt. Die Zahl war so unangenehm groß, dass wir im ersten Schlankheitsrausch die Mittagsjause auf dem Fichtelberg aufgeben wollten. Nach der Fahrt mit der Drahtseilbahn auf den Gipfel des höchsten Berges des Erzgebirges hatten wir aber doch wieder Appetit  auf Linsen und Kartoffelsuppe. Da Karl mit den süß-saueren Sachsenlinsen in undurchsichtige Kauprobleme geriet, kam ich so in den Genuß einer doppelten Portion.
http://www.neudorf-online.de/                 

Nun musste aber die eigentliche Wanderung zurück nach Neudorf beginnen. Da noch stellenweise 20 cm Schnee lagen, war der Abstieg vom Berg recht beschwerlich. Nach einer kurzen Rast in Wegmitte, in der Rasthütte am Kuhbrückenfelsen, strebten wir auf dem Gifthüttenweg unserem Ziel zu. Am Hochmoor „Siebensäure“ liefen wir auf Holzstegen zu einer früheren Torfstichstelle.

Kuhbrückenweg an der Siebensäure - Altes Wegenetz im Fichtelberggebiet 
Heutige Wanderwege mit den Namen wie Proviantweg, Bärenfangweg und Torfstraße besaßen früher eine größere Bedeutung. Bessere Orientierung sowie zunehmender Handel und der damit verbundene Warentransport, machten die Einrichtung von sicheren Wegen durch den Wald erforderlich. Schon im 16. Jh. wurde von dem Markscheider Matthias Oeder ein sogenanntes Schneisennetz vermessen.

Vom Pfahlberg ausgehend erstreckten sich früher strahlenförmig zwölf Schneisen, welche nummeriert und mit ihren Zielen benannt wurden. Diese Sternschneisen, die in der heutigen Waldeinrichtung nicht mehr zu erkennen sind, wurden rechtwinklig von Ringschneisen, den „Rundungen“ geschnitten. An der siebenten Rundung vom Pfahl aus gesehen liegt das Hochmoor „Siebensäure“. Es erhielt seinen Namen aus „Sieben “- für siebente Rundung und „Säure“- für torfig saure Böden. Die großmaßstablichen Pläne des Wegenetzes befinden sich heute im Staatsarchiv Dresden.

 Wer nach "dr Supp" fragt, wird ins Suppenland nach Neudorf geschickt. Wie es zu diesem Ortskosenamen kam, darüber berichtet folgende kleine Geschichte:
Unweit der "Siebensäure" hauste einst ein Einsiedler - der "Katzenhans". Ein Felsen mit gleichem Namen (Katzenhans-Felsen) ist heute noch in den Wanderkarten zu finden. Damals, so um 1532, waren Winter noch richtige Winter. Vom Hunger geplagt, ging dr Hans in den Ort und bat in den Gehöften um eine warme Mahlzeit. In jedem Haus bekam er ein Süppchen vorgesetzt. Als er wieder in Richtung seiner Behausung ging, hat es fürchterlich in seinem Bauch geschwappert. Am Waldrand blieb er stehen und stöhnte laut:

"Neidorf, de bist su eh richtiges Suppendorf, nischt anneres als eh dünne Supp' kriegt mer überoll ze aaßen!" (z. dt. Neudorf, du bist so ein richtiges Suppendorf, überall bekommt man nichts anderes als ein dünnes Süppchen zu essen.)

Am Gasthof „Siebensäure“ konnten wir natürlich auch nicht vorbeigehen, ohne ein Bier zu trinken. Dort nahmen wir am Stammtisch eines netten, lustigen und hilfsbereiten Erzgebirglers Platz, der viele Begebenheiten, zB. warum Neudorf ein Suppenmuseum hat und Suppendorf genannt wird, zu vermelden hatte. Er selber aß natürlich auch Suppe am Stammtisch. Und dann war der Erzgebirgler noch so freundlich, uns die letzten 2 km der Wanderung mit seinem Auto zum Bahnhof Vierenstraße zu fahren. 

Nach der Wanderung fuhren wir über die Grenze nach Tschechien, um in Gottesgab das Grab von Anton Günter zu besuchen. Aber leider-, der Friedhof war verschlossen. Die Winterfestmachung war wohl gemäß behördlicher Anordnung noch nicht wieder aufgehoben. Dafür kaufte Karl auf dem Japmesenmarkt (Tinas Kindermund für Vietnamesenmarkt) für sein Enkel allerlei Unnutz, dessen Preis ich auch noch unnützigerweise tief handeln musste. Nur mit Musiknegern war kein Handel möglich. 

Abschließend fuhren wir noch kurz auf den Keilberg. Obwohl dort alle Gebäude immer weiter verfallen, kassiert ein junger Mann jetzt Parkgebühren. Ob er dies für eine Behörde tat, oder aus privaten marktwirtschaftlichen Interesse handelte, war nicht zu durchschauen. 

Da ich meinem Hang nach Musiknegern nochmals nachgeben wollte, schlichen wir von Bärenstein nach Weipert zum nächsten Japmesenmarkt.  Außer einer Vielzahl schwarzgebrannten DVD´s und CD´s war nichts Interessantes zu entdecken.

Den Abend verbrachten wir wieder mit dem Digitalisieren von alten Schallplatten und Karls ORWO-Schatz.

  
                                                            Pause
   
                                            Hochmoor Siebensäure
  
                                      Pause in der Gaststätte Siebensäure
        
                                                        ein freudlicher Arzgebirgler
   
                                                                    Fototermin bei Sonntag
   
                    in Gottesgab zu Anton Günter
    
 Japmesenmarkt    und .....                                     ... Auersberg
   
                                                                          Weipert

 ..... geschafft !

1.4.2004                                                                                                                                                                             

 im Mannschaftswagen

Sägewerk

Freigelände

Der Künsler rechts

Sonderausstellung Henry Hähle



Die Anschläger



Die Kalfaktorei

Ausbau und Schüttelrutsch

1. 4. 2004  - Donnerstag - Bergbaumuseum Oelsnitz

 http://www.bergbaumuseum.org/

 Heute sollte es in das Lugau-Oelsnitzer-Steinkohlenrevier gehen. Vom letzen Schacht, der 1971 geschlossen wurde, ist ein ganz hervorragendes Museum erhalten geblieben, was ich Karl auf jeden Fall zeigen wollte. Und Frau Dittmann machte für uns beide eine einmalig interessante dreistündige Führung. Wir waren begeistert und wurden nicht müde zu zuhören. Solch eine  exzellente Führung kann natürlich nicht jedermann erwarten, aber schließlich waren wir auch nicht Jedermann!  Zuerst besichtigten wir die Außenanlage. Hier kann man viel bergmännisches Großgerät bestaunen - wie z.B. ein Stahlfördergerüst, eine Seilscheibe oder auch eine Flachseilbobine und eine Trommelfördermaschine. Ergänzend für die Transportarbeiten wird eine Lokomotive der 52er Reihe mit Güterwaggon präsentiert. Seit Juli 2001 wird auch ein Sägewerk mit Herkules- Gatter- Säge der Maschinenfabrik Hoffmann Aue im Außengelände präsentiert und dokumentiert die Arbeit auf dem Holzplatz des Schachtes. 

Im inneren Vorraum der Ausstellung wurde eine Personalausstellung auf der Galerie von Henry Hähle für die Eröffnung vorbereitet. Er zeigte Karikaturen, Zeichnungen und Grafiken. Wir sprachen noch persönlich mit dem Künstler über seine Zukunftspläne. Er ist nämlich gerade dabei, seine Werke gesammelt in Buchform zu veröffentlichen.

Nach dem künstlerischen Teil kam nun der technische Teil, nämlich die Führung durch das eigentliche Bergbaumuseum. Und die begann, wie auch für den Bergmann früher, in der Lampenstube. Hier wurden Geleucht und Selbstretter gefasst -, Museumsbesucher fassen das natürlich nicht. Dann ging es zur Hängebank, das ist die Umschlagstelle an der Tagesöffnung eines Schachtes zwischen Schachtförderung und Übertageanlage. Hier kamen die vollen Hunte (Förderwagen für Kohle) aus dem Schacht an und wurden in die Aufbereitung weitergeleitet. Und von hier aus fuhren die Bergleute in Drei-Etagen-Fördergestellen in den Schacht ein bzw. nach Beendigung der Schicht wieder aus. Und da ich als alter Wismuter die Zusammenhänge aus eigenem Erleben kannte, musste ich natürlich auch einige Anekdoten beisteuern. Da der Wagenumlauf im Museum noch fast im Original erhalten war, konnte man sich die Technologie der Kohleförderung gut vorstellen. 

Ein Aufzug brachte uns dann zur elektrisch betriebenen Turmfördermaschine. Der Förderturm wurde 1922/ 23 gebaut und die Fördermaschine installiert.  Die elektrische Turmfördermaschine (Fa. Siemens) erreichte eine Leistung von 2200 kW und betrieb die Koepescheibe (Durchmesser von 6 m und einem Eigengewicht von 13,5 t) für die Förderung. Hier befindet man sich in der höchsten Stelle des Förderturmes und genießt einen einmaligen Rundblick auf Lugau und Oelsnitz. Frau Dittmann wollte sogar von hier schon den Leuchtturm von Zingst gesehen haben. 

Nun beginnt die "Einfahrt in den Schacht". In nachgebauten Strecken und Grubenbauen (Länge ca. 400m) fühlt man sich wie im wirklichen Untertagebetrieb. So sind Ausbauarten, Abbauorte, Abbautechnologien, Transportmittel und Sicherheitseinrichtungen anschaulich dargestellt und teilweise in Funktion zu bewundern.  Wir bekamen den Blasversatz, die Schüttelrutsche, Förderbänder, einen Abbau zum Schießen und vieles anders mehr zu sehen. Und dies alles wurde von Frau Dittmann fachkundig vorgestellt und erklärt. Natürlich hielten wir auch einen Weiberarsch in der Hand ........... 

Zum Schluß der Führung konnten wir noch die Kaue (Mannschaftsbad)  bestaunen, ehe der letzte Ausstellungsabschnitt in Angriff genommen wurde: Eine Zwillingsdampffördermaschine (1800 PS) mit einer Koepescheibe (Durchmesser 6 m) wird zur Demonstration in Bewegung gesetzt. Der Dampfdruck lag bei 12 atü, die Temperatur bei 300 °C. Das sah alles so aus wie bei meiner Dampfmaschine aus der Kinderzeit -, nur halt alles riesengroß. 

Um 1330 Uhr waren wir mit dem Museum und auf den Beinen fertig. Nach einem eifrigen Biss in eine Bratwurst fuhren wir schnellstens über die Autobahn nach Chemnitz in die Sachsenallee. Karl kaufte einen DVD-Player, kombiniert mit Videorecorder, im Mediamarkt, damit MP3-Musiken über die heimische Stereoanlage hörbar werden.

Ingi hatte zu Hause schon ein schmackhaftes Abendessen zusammen geschnitzelt. Tina und Danny setzten sich mit an den Tisch. So wurde es ein gemütlicher Abend, an dem wir viel zu erzählen hatten und unsere Fotos zeigen konnten.

Der Zwickauer Bergfaktor Karl Gottlob Wolf fand am 7. Januar 1844 das erste abbauwürdige Steinkohlenflöz in 9 m Tiefe (bergmännisch: Teufe). Damit war der Bergbau in der Region Lugau/ Oelsnitz aus der Taufe gehoben. Nach einer kurzen Zeit der Eigenlöhnerbetriebe (Bauern bauten unter ihren Feldern die Kohle ab) entstanden um 1850 Aktiengesellschaften und Gewerkschaften (2 unterschiedliche Formen einer Kapitalgesellschaft), die finanziell in der Lage waren, den Bergbau zu modernisieren und effektiver zu betreiben. Die Entwicklung von Dampfmaschinen und der Eisenbahn bewirkten u.a. einen weiteren Auftrieb des Steinkohlenbergbaus sowie einen wirtschaftlichen Aufschwung der Region in den Jahren 1871 - 1918. 1967 wurde staatlicherseits beschlossen, den Bergbau in dieser Region wegen Erschöpfung der Kohlevorkommen einzustellen. Der letzte Kohlehunt wurde deshalb 1971 gefördert. Von 1844 - 1971 wurde Steinkohle gefördert. Es gab in dieser Zeit Bohrversuche und Versuchsschächte sowie fördernde Schächte, d.h. ca. 200 Tagesöffnungen.Die Teufe variierte entsprechend der Flöze zwischen 9m und 1200m.Der tiefste Steinkohlenschacht im 19. Jahrhundert war der "Frisch- Glück- Schacht" auf Oelsnitzer Flur mit 931 m. Er wurde ab 1871 geteuft und war damals der tiefste Kohleschacht der Welt. Die erteuften Flözverhältnisse schlossen jedoch einen gewinnbringenden Bergbau aus. Im 20. Jahrhundert wurde das Hohndorfer Kohlefeld mit 1200m Tiefe zum tiefsten Schacht Europas. Der modernste Schacht ab Mitte der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts war der "Kaiserin- Augusta- Schacht", das heutige Bergbaumuseum, geteuft 1869. Dieser Schacht erreichte nach zweimaligem Nachteufen eine Teufe von 560 m (590 m mit Schachtsumpf). Ab 1925 wurde der Schacht der Gewerkschaft "Gottes Segen" als zentrale Schacht-, Förder-, Aufarbeitungs- und Versandanlage genutzt.
                                                       
   
    auf dem Förderband                                    Bergmannstrunk
  
  Der Weiberarsch ...                                      ... in der Lok
  
                                                                    Der Sprengmeister
  
                                              In der Schwarzkaue
 
Dampfmaschine                                            Dank an Frau Dittmann
  
   Der letzte Hunt
  
DVD-Player                                                   Abschiedsfeier

2.4.2004                                                                                                                                                                             

Abschied

2. 4. 2004  - Freitag - Abreise

 

Heute nun soll der Tag des großen Abschiedes sein. Nach Frühstück und Packen war Karl um 930 Uhr abfahrbereit nach Hause. Nach einem Zwischenstop beim bösen Ladewig in Halle, kam 15 Uhr die Meldung: Gorl in Salzwedel. Gorl in Gamms war wieder Geschichte.

 Dann auf ein Neues und GLÜCK AUF!

  
Der Berchmann aus dem Schachte kriecht, und blääckt: „Dr Sozialismus siecht!“

Dann auf ein Neues und GLÜCK AUF!